Der erste große Sieg

Die Moskauer Schlacht zerstörte die Legende von der „Unbesiegbarkeit“ der Wehrmacht
Von nh
|    Ausgabe vom 9. Dezember 2016
1. Dezember 1941, frische Kräfte gehen an die Front (Foto: RIA Novosti archive, image #429/Oleg Ignatovich/CC-BY-SA 3.0)
1. Dezember 1941, frische Kräfte gehen an die Front (Foto: RIA Novosti archive, image #429/Oleg Ignatovich/CC-BY-SA 3.0)

In den ersten Monaten nach dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion gelang es den drei Heeresgruppen der Wehrmacht sowie den Truppen ihrer Verbündeten mehr als 1 000 Kilometer tief in die Sowjetunion vorzudringen. Die faschistischen Aggressoren belegten Leningrad mit der Blockade, näherten sich gefährlich nahe Moskau und besetzten die baltischen Sowjetrepubliken, Belorussland, die Moldauische SSR, große Teile der Ukraine und der RSFSR und einen Teil der Karelo-Finnischen SSR.
Die Rote Armee verlor in harten Abwehrkämpfen bis Ende 1941 4,473 Millionen an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Das waren etwa 92 Prozent der im Juni 1941 bereitstehenden Truppen.
Der Widerstand nahm jedoch – trotz der Raumeroberungen der faschistischen Wehrmacht, der sowjetischen Verluste an Gefallenen und Kriegsgefangenen, der Zerstörungen und des Terrors – Tag für Tag zu.
Am 2. Oktober 1941 begann der faschistische Generalangriff auf Moskau. Die faschistische politische und militärische Führung war von einem schnellen Erfolg überzeugt. Trotz erbitterter Gegenwehr der Sowjetarmee kamen die Aggressoren tatsächlich weiter voran. Das sowjetische Oberkommando konzentrierte Kräfte zur Verteidigung der Stadt unter dem Kommando der Generäle Iwan Stepanowitsch Konew und Georgi Konstantinowitsch Schukow, dem die Hauptverantwortung für den Kampf um Moskau übertragen wurde.
Ein erster Erfolg der Roten Armee zeichnete sich ab, als die Aggressoren Ende Oktober etwa 100 bis 120 Kilometer vor Moskau eine Zwangspause einlegen mussten. Mitte November nahmen sie den Angriff wieder auf und kamen stellenweise bis auf 25 Kilometer an Moskau heran. Dabei erlitten sie jedoch hohe Verluste. Sie verloren unter anderem über 750 Panzer.
Am 5./6. Dezember 1941 gingen die sowjetischen Truppen – unter ihnen Arbeiterbataillone – vor Moskau, völlig überraschend für die faschistische Führung, zum ersten Mal in diesem Krieg zu einer groß angelegten Gegenoffensive über. Die deutschen Truppen mussten sich zurückziehen.
Die Aggressoren verloren in den Kämpfen 120000 Mann ihrer besten Einheiten und wertvolles Kriegsgerät. Das Ziel, die faschistische Heeresgruppe Mitte zu zerschlagen, konnte nicht erreicht werden. Im Verlauf ihrer Gegenoffensive befreite die Rote Armee jedoch über 11000 Städte und Ortschaften und warf – bis in den Januar 1942 hinein – den Feind bis zu 250 Kilometer zurück
Die Moskauer Schlacht zerstörte die Legende von der „Unbesiegbarkeit“ der Wehrmacht. Der erste große Sieg über die Faschisten gab neue Kraft für den Kampf gegen die faschistischen Aggressoren. Er machte den Plan „Barbarossa“ endgültig zunichte. Die Blitzkriegsstrategie, wie sie von der Führung des faschistischen Deutschlands bisher erfolgreich verfolgt worden war, war vor Moskau endgültig gescheitert. Dank der Mobilisierung aller vorhandenen Kräfte gelang es der Sowjetunion bis Ende 1941 mehr als 400 neue Divisionen aufzustellen und – durch gewaltige Anstrengungen – die Produktion von Panzern moderner Bauart, Flugzeugen, Maschinenpistolen, Munition zu vervielfachen.
Der Sieg der sowjetischen Streitkräfte vor Moskau minderte zudem die Gefahr, dass Japan ebenfalls in den Krieg gegen die Sowjetunion eintrat. Andererseits beförderte er die Errichtung und Entwicklung der Antihitlerkoalition und gab allen Antifaschisten, wo immer sie auch kämpften, Mut und Zuversicht.


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Leserbrief zu »Der erste große Sieg«, UZ vom 9. Dezember 2016





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