Etwas verzwickt – die Dialektik

Von Hermann Jacobs, Berlin
|    Ausgabe vom 25. November 2016

In einem bemerkenswerten Vortrag hat Lucas Zeise ein gegenwärtiges Weltverhältnis kapitalistischer Länder bestimmt; er kommt zu einer doppelten Aussage: Einmal imperialistische Länder von innen her, und „das sind sie alle“, allein aufgrund ihres monopolistischen Charakters den bestimmenden Eigentums- respektive Produktionsverhältnissen nach, unter ihnen aber auch solche, die sich „außerhalb des imperialistischen Weltsystems befinden“ und die diesem „als Aggressionsziel dienen“ – mit der Folge, dass „diese imperialistischen Mächte zu Anti-Imperialisten“ werden. Mutig, in Bezug auf einen Gegensatz? Zu mutig? Aber man muss wohl die Rolle Russlands (und weiterer Länder) im gegenwärtigen Weltgeschehen richtig zuordnen. Was sie von innen her sind, sind sie nicht (unbedingt auch) nach außen hin. Wir müssen diesen Unterschied in unserer Politik berücksichtigen (was im Übrigen nicht neu ist). Er erlaubt mehr Flexibilität bezüglich unserer Einschätzung der „Russischen Wende der besonderen Art“, und schützt uns auch vor der etwas vereinfachenden Sicht der griechischen KKE, die für die Erklärung der entstandenen Lage den Begriff „imperialistische Pyramide“ vorgeschlagen hat. Pyramide mag – ausgehend von den USA – in Bezug auf Deutschland, Frankreich, England, auch Griechenland usw. stimmen, für Russland nicht, und China ganz und gar nicht. Auch der Begriff „Weltsystem des Imperialismus“ stimmt daher nicht ganz – und ob in Zukunft, das dürfte zur Frage werden. Ich denke eher nicht. Auf alle Fälle: Eine Debatte sollte folgen.


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