Peter Weiss 100

Vollständige Stafettenlesung der „Ästhetik des Widerstands“
Von H. F.
|    Ausgabe vom 25. November 2016

Zu „einem fiktiven und ewigen Wettlauf um die längste und schönste Lesung“ von Peter Weiss’ fast tausendseitigem, antifaschistischen Romanwerk „Die Ästhetik des Widerstands“ in Gänze luden die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) und das Peter-Weiss-Haus Rostock vom 11. bis 13. November in die mecklenburgische Hafen- und Universitätsstadt. Rund 100 Lesende unterschiedlichsten Alters und künstlerischer, wissenschaftlicher oder auch politischer Profession vermittelten diese historisch-kulturelle Erinnerungs- und Vorarbeit – vom Standpunkt der Arbeiterbewegung in der Perspektive klassenloser Gesellschaft – über mehr als 50 Tages- bzw. Nachtstunden nonstop.
Punktuell auswählend, erlebten konzentrierte Zuhörer die Texte live bzw. im Wechsel als Videoaufzeichnungen, wie sie etwa zur Hälfte nach einjähriger Produktion vorliegen. Angesichts der weiter zu dokumentierenden Lesungen im „Saal-Aufnahmestudio“ war der Austausch über starke Erlebnisse auf Inseln der Entspannung zu verschieben. Rund um die Uhr dienten dazu das hauseigene „Café Marat“, begleitende Ausstellungen und ein zum 100. Geburtstag reich gedeckter Büchertisch. In Begleitveranstaltungen wurden neue Peter-Weiss-Biografien vorgestellt, Gesprächseindrücke zu Weiss’ „Ästhetik“ heute vom Rostocker Lesekreis vermittelt.
Zum Peter-Weiss-Theater, wie das Rostocker Volkstheater aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit dem Dramatiker zwischen 1965 und noch über Jahre nach dessen Tod 1982 genannt wurde, zogen ehemalige Ensemblemitglieder und der Rostocker Peter-Weiss-Experte Prof. Manfred Haiduck Bilanz. Sie umfasst 284 Aufführungen von insgesamt acht dokumentarisch fundierten, von Weiss autorisierten und für die DDR erstaufgeführten Stück-Inszenierungen ab „Marat/Sade“ bis „Der neue Prozess“. In Hanns Anselm Pertens Regie wurden sie auch über DDR-Medien und Gastspielreisen weiterverbreitet. Die neu konzipierte, wissenschaftlich begründete Theaterpraxis bezeichnete Zeitzeuge Prof. Hans-Jürgen Staszak als revolutionierend auch für die Kulturpolitik der DDR, zeitweilig dazu angetan, allzu starr vorgegebene künstlerische Normen zu lockern.
RLS-Vorstandsvorsitzende Dagmar Enkelmann und Projektleiter Friedrich Burschel kündigten die Abrufbarkeit der „Ästhetik“-Lesungen auf der begleitenden Projekt-Homepage an. Es wird deren Besuchern als „Inspirationsquelle für ein linkes Bewusstsein in den bedrückenden Zeiten des aktuellen Rechtsrucks“ an Herz und Verstand gelegt, „viel zu brutal“, um ihn als Farce der Geschichte abzutun. (http://peterweiss100.de/)


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Leserbrief zu »Peter Weiss 100«, UZ vom 25. November 2016





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