Einer von uns:

„Ein zuverlässiger Antifaschist“

Theodor Klug aus Hof
Von Randolph Oechslein
|    Ausgabe vom 18. November 2016

Dieses undatierte Foto zeigt Theo Klug vor 1933

Dieses undatierte Foto zeigt Theo Klug vor 1933

( Privat)

Eine bemerkenswerte Beurteilung, auf die der Hofer Spanienkämpfer und Kommunist Theodor Klug sicher stolz gewesen wäre. Getroffen hat sie Gustav Szinda, zeitweiliger Stabschef der XI. Internationalen Brigade, bereits 1940. Der Ministerrat der DDR ehrt Theo Klug 1956 mit der „Hans-Beimler-Medaille“, weitere hohe staatliche Auszeichnungen folgen.
Doch bevor es soweit ist, wird er am 2. Februar 1949 mit der Begründung „Für die heutige Volkspolizei nicht tragbar“ fristlos aus dem Polizeidienst entlassen. Es ist ein Schock für ihn, er ist plötzlich arbeitslos und erkrankt ernstlich. Den Grund des Rausschmisses erfährt er inoffiziell: Seine Zugehörigkeit zur englischen Armee. Unterlagen in seiner Kaderakte deuten auf eine gezielte Denunziation hin.
Wie kommt ein Hofer Kommunist von Spanien in die englische Armee und von dort in die DDR? Am 15. Februar 1913 in Hof geboren, erlernt Theo, wie er genannt wird, den Beruf eines Tapezierers. 1930 tritt er in die KPD ein. In seiner Hofer Parteigruppe ist er immer zur Stelle, wenn es gilt, Flugblätter zu verteilen, Plakate zu kleben oder Parteiversammlungen vor Naziüberfällen zu schützen.
Im März 1933 erfolgt die erste Verhaftung. Danach vertreibt er weiter zusammen mit seinem Bruder Willy Klug illegale Parteiliteratur, die sie aus der CSR über die Grenze bei Hof schmuggeln. Die Gruppe fliegt im Juli 1933 auf, Theo Klug kommt im November 1933 in „Schutzhaft“. Am 8. Januar 1934 wird er aus dem Hofer Landgerichtsgefängnis als „Schutzhäftling“ in das KZ Dachau verschleppt. Dort schließt er sich sofort dem illegalen Parteiaktiv der KPD an. Im Dezember 1934 wird Theo Klug aus dem KZ Dachau entlassen und steht von nun an unter ständiger Polizeiaufsicht.
Dennoch setzt er die illegale Arbeit fort. Anfang des Jahres 1937 entzieht sich Theo Klug einer erneuten Verhaftung durch die Flucht in die CSR. Es gelingt ihm, nach Spanien zu kommen. Im März 1937 erhält er eine militärische Ausbildung und wird dem Batallion „12. Februar“ der XI. Internationalen Brigade zugeteilt.
Bei der Schlacht von Brunete im Juli 1937 wird Theo Klug zweimal verwundet. Nach dem Lazarettaufenthalt nimmt er an einem Ausbildungskurs für Scharfschützen teil. Im Oktober 1937 kommt er wieder in die XI. Internationale Brigade zurück, diesmal ins „Thälmann-Bataillion“. Bei den Kämpfen um Teruel wird Theo Klug am 9. Januar 1938 so schwer verwundet, dass er nicht mehr fronttauglich ist. Es folgt im Oktober 1938 die Evakuierung nach Paris. Bei Beginn des zweiten Weltkrieges wird er interniert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht gelingt ihm die Flucht und er kommt auf einem Frachtdampfer bis Casablanca. Nach erneuter Internierung verschleppt man ihn in die Lager Kenadsa und Colomb-Bechar in der nordafrikanischen Wüste. Die Invasion der Engländer und Amerikaner in Nordafrika bringt ihm die Freiheit. Als Freiwilliger der englischen Armee beteiligt er sich an den Kämpfen in Nordafrika und Italien und erlebt den 8. Mai 1945 in Neapel.
Im Mai 1947 ist Theo Klug noch immer als Soldat in Italien. Dort erfährt er, dass sein Bruder Willy, den er für tot gehalten hatte, nach elfjähriger Haft aus dem KZ Buchenwald befreit wurde und ist überglücklich. Er beschließt zu desertieren, um endlich seinen Bruder zu sehen. Im Mai 1947 kommt Theo Klug zurück nach Hof und wird sofort Mitglied der kurz vorher gegründeten Hofer Ortsgruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Die Wiedersehensfreude währt nicht lange. Der amerikanische Geheimdienst C. I. C. will ihn wegen der Desertation verhaften.
Theo bleibt wieder einmal nur die Flucht, er geht in die damalige Sowjetische Besatzungszone und wird Kriminalbeamter in Bernburg. Am 19. August 1947 tritt Theo Klug in die SED ein. In Oebisfelde baut er eine Kommandantur der Grenzpolizei auf. Nach seiner plötzlichen Entlassung aus der Volkspolizei 1949 arbeitet er beim Drömlimgsverband, ab 1952 im Großhandelskontor für Lebensmittel (GHK). In dieser Zeit heiratet er auch seine Lebensgefährtin Else.
Bedingt durch die zehnjährige Emigration spricht er ausgezeichnet französisch. Spanisch, englisch und italienisch beherrscht er ebenfalls gut. Bei den 3. Weltfestspielen 1951 ist er, ebenso beim Besuch internationaler Delegationen in Buchenwald, als Dolmetscher gefragt. 1957 wird er politischer Mitarbeiter der SED-Kreisleitung Klötze. Von 1968 bis 1973 übernimmt er das Amt des Bürgermeisters in dem Grenzort Wassensdorf. 1973 geht er in den beruflichen Ruhestand, aber nicht in den politischen. Bis zu seinem Tod am 6. Februar 1986 engagiert er sich im Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR. Er spricht in Schulen, Betrieben und vor den bewaffneten Organen der DDR über sein Leben. Ein zuverlässiger Antifaschist eben.


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Leserbrief zu »„Ein zuverlässiger Antifaschist“«, UZ vom 18. November 2016





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