20 000 Euro für Gold

Klaus Huhn zum olympischen Amateursport
|    Ausgabe vom 18. November 2016

Im Grunde hat sich nichts Besonderes getan: Die in den USA und Kanada agierenden Eishockey-Profis bestritten ein Turnier. Dieses Turnier aber richtet sich gegen die nächsten Olympischen Winterspiele in Pyeongchang und ist mehr als eine Drohung. Kurz und knapp: Die Profis in den USA und Kanada wollen nicht mehr bei Olympia spielen, wenn das IOC nicht alle Kosten übernimmt.
Was versteckt sich hinter dem Begriff „alle Kosten“? Bislang haben beide Seiten das nicht preisgegeben, müssen es aber auch nicht, denn man weiß zum Beispiel, dass der in Toronto spielende Deutsche Korbinian Holzer 652 000 Euro verdient, in der Woche also 12 538 Euro. Ich halte es für absurd, dass das IOC einem einzigen Eishockeyspieler diese Summe zahlen kann. Würde man diese Summe mit 15 multiplizieren, um auf eine Mannschaft zu kommen, würden sich 188 769 Euro ergeben. Damit könnte man aufhören mit der Zahlenspielerei – Olympia wäre am Ende.
Allerdings wäre diese Summe kein Spaß, sondern knallhartes Geschäft. Die Sportwelt ist im Bilde, was die Olympia-Oberen kassieren und stellen sich die in dieser Gesellschaftsordnung übliche Frage: Wer verdient wieviel womit? Die Fernseheinnahmen sind von Mal zu Mal gestiegen. Ich kann mir durchaus ein Urteil erlauben, dieweil ich 1956 als stellvertretender chef de mission diese Verhandlungen für das DDR-Fernsehen führte. (Man hatte mir 3 000 Westmark mitgegeben und durch einen Trick konnte ich das DDR-Fernsehen damit noch vor dem Westfernsehen „versorgen“.) Heute werden nur siebenstellige Ziffern auf die Verträge geschrieben und die summieren sich.
Nein, die nächsten Spiele werden sicher nicht verhökert, weil die Verträge längst unterschrieben sind, aber ich wollte hier einen langen Blick in die Zukunft werfen. Die „Marktwirtschaft“ – deutlicher: der „Kapitalismus“ – wird die olympischen Ideale nicht respektieren und wer immer hingeschickt werden sollte, mit den Eishockey-Profis Verhandlungen zu führen, wird von denen als bemitleidenswerter Illusionist empfangen werden.
Ich las dieser Tage, was die bundesdeutschen Olympioniken überwiesen bekamen: 20 000 Euro für Gold, 15 000 für Silber und 10 000 für Bronze. Wer Vierter wurde, ging leer aus und derzeit soll darüber verhandelt werden, ob man bei diesen Summen bleibt. Wo die Olympioniken die Schecks bekamen? Die „Berliner Zeitung“ meldete: „Bei der Medaillenparty des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Stiftung Deutsche Sporthilfe wurden im Regierungsviertel insgesamt 2,5 Millionen übergeben.“
Ich las es zweimal: Im Regierungsviertel! Für die Jüngeren unter den Lesern: Als die DDR nach den Spielen Orden überreichte, wurde ein schrilles Geschrei angestiftet und die Olympioniken bezichtigt, Profis zu sein. Ein deutsches IOC-Mitglied verlangte sogar vom IOC, diese Athleten deswegen zu disqualifizieren. Zufällig war ich damals im Büro des IOC und der Kanzler Meier zerriss den Brief vor meinen Augen mit dem Wort: „Denunzianten!“
Heute also im Regierungsviertel!
Um keine Panik auszulösen: Die nächsten Olympischen Winterspiele finden sicher statt. Vielleicht mit drittklassigen Eishockeyspielern!


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Leserbrief zu »20 000 Euro für Gold«, UZ vom 18. November 2016





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