Herbergers Diktum

Am Ende gewinnen immer die Bayern – Warum die Bundesliga dennoch nicht langweilig wird
Von Maurice Böse
|    Ausgabe vom 18. November 2016
FC Bayern München, Gewinner des Audi Cup 2015 (Foto: flickr.com/photos/audiag/with/20328945152 (CC BY-ND 2.0))
FC Bayern München, Gewinner des Audi Cup 2015 (Foto: flickr.com/photos/audiag/with/20328945152 (CC BY-ND 2.0))

Eigentlich ist es wie jede Saison: Bereits im Herbst zeichnet sich ab, dass der FC Bayern Meister wird, weil die potentiellen Verfolger (Borussia Dortmund, FC Schalke, Bayer Leverkusen) nicht konstant genug sind und den Bayern selbst im Fall einer Sahnesaison (BVB, Leverkusen) nicht das Wasser reichen können oder mal wieder ein irrwitziges Chaos im Verein losbricht (Schalke). Das hat viel mit den finanziellen Verhältnissen bei den Klubs zu tun.
Laut Schätzungen der Fußballzeitschrift „11Freunde“ hatten die Bayern in dieser Saison knapp 195 Millionen Euro zur Verfügung, die sie in Gehälter und Transfersummen für Spieler und Trainerpersonal investieren konnten. Beim BVB waren es immerhin 115 Millionen und beim FC Schalke 100 Millionen. Der finanzstärkste Verein der Liga hat somit dreimal so viel Personalbudget zur Verfügung wie der drittstärkste. Zum Vergleich: Darmstadt, Freiburg, Ingolstadt und Augsburg haben jeweils zwischen 25 und 30 Millionen zur Verfügung.
Dass Geld (auf lange Sicht) Tore schießt, stimmt nämlich doch. Der Manager des SC Freiburg, Jochen Saier, stellte dazu fest: „Jedes Jahr, das wir in der Bundesliga spielen, ist ein Wunder.“
Wenn man nicht – wie der Autor dieser Zeilen – sein Herz an einen Zweitliga-Verein verloren hat, gibt es trotzdem gute Gründe, ein Auge auf die wirtschaftlich eher schwachen Vereine in der Bundesliga zu werfen. Schließlich werden von ihnen nicht selten die Geschichten geschrieben, die den Fußball liebenswert machen. Vereine wie der SC Freiburg überraschen seit Jahren mit ihrer hervorragenden Jugendarbeit, innovativen Konzepten und Trainern. Die Darmstädter haben mit einer mittelmäßigen Mannschaft und in einem romantischen, aber völlig heruntergekommenen Stadion den Durchmarsch und den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft.
Was diesen Vereinen oft gelingt, ist, mit schmalem Budget zumindest einige deutlich finanzstärkere Vereine – der HSV beispielsweise verfügt über ein Personalbudget von 53 Millionen – hinter sich zu lassen. Der Trend geht also zu einer immer stärkeren Konzentration wirtschaftlicher Macht bei einigen Vereinen (vor allem bei den Bayern), die damit auf lange Sicht auch den größten sportlichen Erfolg einfahren. Dennoch ist es für kleinere Vereine möglich und nötig, die von anderen ignorierten Nischen zu besetzen und beispielsweise auf eine Nachwuchsabteilung samt der Aussicht auf Transfererlöse zu hoffen und durch ein starkes Trainerteam, das vergleichsweise wenig Geld kostet und selten im Rampenlicht steht, jedoch wesentlich für den Erfolg einer Mannschaft ist, zumindest zeitweilig einen Vorteil gegenüber anderen Vereinen zu haben – bis diese dann ebenfalls abgeworben werden. Sepp Herbergers Aussage, die Leute gingen zum Fußball, da sie nicht wüssten, wie es ausgeht, darf also weiterhin eingeschränkte Gültigkeit beanspruchen.


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Leserbrief zu »Herbergers Diktum«, UZ vom 18. November 2016





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