Der Pokal hat halt seine eigenen Gesetze

Zwischen Nußloch und Wießloch wird auch Fußball gespielt
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 4. November 2016
Haupttribüne des Sportparks am Lotter Kreuz
Haupttribüne des Sportparks am Lotter Kreuz

Die „Sportfreunde Lotte“, deren Namen schon eher in die Kategorie „Ruckzuck Husum“ oder „Barfuss Peterstal“ denn in die Schublade „ernstzunehmender Fußballverein“ passt, kegelt die Millionentruppe aus Leverkusen aus dem Rennen. Der Club „FC Astoria Walldorf“, eine bunte Ansammlung von Studenten und Malochern, von dem ca. 75 Prozent der Bevölkerung bezweifelt, das es ihn überhaupt gibt, haut den Erstligisten SV Darmstadt aus dem Pokal. Und „Arminia Bielefeld“ zieht ebenfalls ins Achtelfinale, wobei 100 Prozent der Bevölkerung ja sogar weiß, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Abgefahren.
Der Pokal hat halt seine eigenen Gesetze. Kann alles passieren. Und tut’s dann auch ganz schön häufig. Meine Dortmunder wollten gegen „Union Berlin“ auch kräftig dabei helfen, vergaßen aber, dies Opa Weidenfeller mitzuteilen. Vielleicht ist er auch mittlerweile etwas schwerhörig, der Gute. Er kannte zumindest keine Gnade, hielt zwei Elfer und meinte hinterher: „Ich bin nicht unbedingt ein Elfmeter-Killer“. Interessant. Genauso wie ein junger Kerl namens Jacob Bruun Larsen, von dem ich noch nie gehört habe, der aber einfach mal bei uns gespielt hat. Und zwar ziemlich gut. Wo Tofuwürstchen Tuchel die immer herholt – keine Ahnung. Von letzterem hat der geliebte Blau-Weiße Reviernachbar ja bekanntlich auch jede Menge, anders erklärt sich kaum, dass nach einem lockeren 3:0 fast noch das Spiel in die Buxe geht. „Völlig unerklärlich, was sich die Schalker im zweiten Durchgang gedacht haben“, schreibt der Liveticker und ich möchte rufen „Denken?! Seit wann denken die?!“. Ach ja: Der Pokal hat ja seine eigenen Gesetze.
Und sonst? St. Pauli und Fortuna Düsseldorf können eigentlich ihre Fußballabteilung auflösen oder in der Tresenliga kicken lassen, so macht das nicht mehr wirklich Sinn, und Mainz 05 schafft es gegen Greuther Fürth auszusteigen, was auch mal ne Leistung ist. Turnkasper Fabian Hambüchen zieht danach für die Bayern in der nächsten Runde wie immer ein Freilos, zu Hause gegen die dümpelnden Wolfsburger um „Ich-hab-keine-Lust-Draxler“ dürfte es selbst dann schwierig werden zu verlieren, wenn die Bayern ausschließlich mit dem linken Fuß aufs Tor schießen dürfen. Die Dortmunder haben ein wenig Schwein, kommen wenigstens zu Hause gegen die nickelige alte Dame aus Berlin ran und der Blau-Weiße Nachbar bekommt mit dem SV Sandhausen einen Gegner, von dem ich erst mal googeln muss, wo er wohnt: Auch da unten, zwischen Nußloch und Wießloch. Interessant.
Bliebe die Frage nach dem Zitat dieser Pokalrunde. „Wir haben uns in einen Rausch gespielt und hätten den Sack sogar früher zumachen können“ von Torschütze Nico Hillenbrand (FC Astoria Walldorf) vielleicht. Will man sich bildhaft aber mal so gar nicht vorstellen. Gar nicht.


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