Schwimmbäder werden geschlossen

Immer mehr Kinder lernen nicht mehr schwimmen
Aus „blickpunkt“, Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf
|    Ausgabe vom 4. November 2016
Bundesweit stehen Freibäder ganz oben auf der Liste der bedrohten Einrichtungen. (Foto: SwanA15_wikimedia_CC BY-SA4.0)
Bundesweit stehen Freibäder ganz oben auf der Liste der bedrohten Einrichtungen. (Foto: SwanA15_wikimedia_CC BY-SA4.0)

Seit Jahren wird beklagt, dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können, weil Schulschwimmen in vielen Schulen eingeschränkt wird. Wer Schwimmbäder schließt, nimmt in Kauf, dass Kinder ertrinken.
Das Schwimmbad im hessischen Mörfelden wurde an Pfingsten 1928 eröffnet. Mörfelden war eine fortschrittliche Hochburg der Arbeiter- und Sportbewegung. In der gleichen Zeit baute man solidarisch auch das Volkshaus. In den 1960er und 1970er Jahren ist noch in die Infrastruktur im Lande investiert worden. So stammen auch viele Schwimmbäder in Hessen aus dieser Zeit. Die Sparpolitik in den Zeiten des „Schutzschirms“ führte aber auch in Hessen dazu, dass zu wenig in die Erhaltung von Gebäuden und Anlagen investiert wurde.
Heute spürt man, wenn man notwendige Aufgaben nicht beizeiten anpackt, wird es später oft viel teurer. Nach Umfragen des Hessischen Rundfunks wurden seit dem Jahr 2000 in Hessen mindestens 45 Schwimmbäder geschlossen; in einigen Städten sogar mehrere, wie z. B. in Rüsselsheim. Das 1973 erbaute Schwimmbad in Gernsheim wurde schon 2008 geschlossen und im Jahre 2015 abgerissen. Das Hallenbad in Groß-Gerau wurde unlängst für fast ein Jahr geschlossen.
Durch Bäderschließungen wird nicht nur eine Freizeitgestaltung eingeschränkt die für die Gesundheit sehr wichtig ist. Betroffen ist auch der Vereinssport und vor allem der Schwimmunterricht an den Schulen, der in den Lehrplänen in Hessen sowohl in der Grundschule als auch in der Mittelstufe für jeweils ein Schuljahr verankert ist. In fast 20 hessischen Gemeinden kann zur Zeit gar kein Schulschwimmen angeboten werden, in vielen weiteren Gemeinden sind häufige Ausfälle des Schwimmunterrichts an der Tagesordnung. Lange Busfahrten zu den Bädern reduzieren die eigentliche Schwimmzeit zudem beträchtlich. Es darf also insgesamt nicht verwundern, dass der Anteil der Jugendlichen, die nicht Schwimmen können, seit Jahren ansteigt. Wir sind gespannt, wie die „neue Koalition“ in unserem Rathaus mit dem Thema umgeht. Wir bleiben bei unserem Standpunkt: Schwimmbäder sind eine wichtige soziale Errungenschaft – man darf sie nicht schließen.


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Leserbrief zu »Schwimmbäder werden geschlossen«, UZ vom 4. November 2016





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