Karikaturen von Bernd Bücking

Betr.:
Von Richard Höhmann-Rölle, Mülheim an der Ruhr
|    Ausgabe vom 28. Oktober 2016

Ich habe mir die Bilder angesehen. Ich fand sie nicht lustig – im Gegenteil. Sie haben mich betroffen gemacht. Die Bilderfolge steht in einer Reihe mit diversen Beiträgen in linken Blogs und Webseiten. Alle haben eines gemeinsam: Statt sich sachlich und analytisch und nicht nur polemisch mit anderen Meinungen auseinander zu setzen, wird persönlich abgewatscht, gestichelt und in die Ecke gestellt was das Zeug hält. Oft wird in den Beiträgen aus Gesprächen oder E-Mails zitiert, ob aus dem Zusammenhang gerissen, ob private Mails – völlig egal. Es wird ins Netz gepostet, was das Zeug hält, ob es stimmt oder nicht, kann keiner überprüfen. Das hängt dann da für alle Zeiten (das Internet vergisst nicht),

All das lässt das Wichtigste vermissen, was sich Genossinnen und Genossen im Umgang miteinander bewahren sollten, auch und gerade bei Meinungsverschiedenheiten: Den respektvollen Umgang miteinander. Da stellt Bernd Bücking Genossinen und Genossen in eine Reihe mit Scientology, Zeugen Jehovas und anderen. Was soll das? Was Bernd da karikiert, ist allenfalls seine Wahrnehmung von antifaschistischen Strategiediskussionen bei DKP und anderen Linken.

Lieber Bernd, mich macht es es sprachlos, auf Deinen Bildern zu sehen, dass Du all die an die Seite von Neonazis stellst, die nationale Souveränität nicht dieser EU opfern wollen.

Sie sind treffende Karikaturen im wahrsten Sinne des Wortes. Treffend im Sinne von: Auf den Punkt gebracht. Sie bringen auf den Punkt, dass Du, Bernd, Dich mit allem Möglichen beschäftigt haben magst, bevor Du zur Feder gegriffen hast. Am wenigsten wohl mit den tatsächlichen Positionen, die Deine Bilderfolge aufspießt. Das belegt auch Dein Interview auf „kommunisten.de“. Die in den Zeichnungen angesprochenen Fragen seien „an der Basis überhaupt nicht diskutiert worden“. Wenn das in Deiner Grund- oder Kreisorganisation der Fall war, finde ich das sehr bedauerlich. Du solltest dort kritisch nachfragen. Deine Bilder sind treffend auch in der anderen Bedeutung des Wortes: Jemanden treffen, d. h. jemanden emotional berühren, verletzen.

Vielleicht ist es müßig, dennoch mein Appell: Genossinnen und Genossen, lasst die Tassen im Schrank.

Die Wirklichkeit stellt uns viele Fragen, über deren Lösung wir zu Recht ringen müssen. In der Sache durchaus hart, aber bitte mit dem gebotenen Respekt voreinander.


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Leserbrief zu »Karikaturen von Bernd Bücking«, UZ vom 28. Oktober 2016





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