„Kultursplitter“

Von Isa Paape, Erlangen
|    Ausgabe vom 28. Oktober 2016

Herbert Becker kritisiert zu Recht ein Kulturverständnis, das künstlerische Beiträge zu politischen Veranstaltungen lediglich als schmückenden Rahmen betrachtet. Allerdings haben auch Referate und Reden ihre Berechtigung und lassen sich nicht einfach durch einen Kurzfilm ersetzen. Ein Bild, ein Lied, ein Roman kann sehr viel sagen über die kapitalistische Gesellschaft, über Inhumanität und Barbarei, ohne dass die Künstlerin oder der Künstler ein Wort zum Krieg in Syrien sagen müsste. Bestenfalls ein Missverständnis ist daher der pauschale Vorwurf, europäische Intellektuelle und Künstler würden zu den Kriegen in Afghanistan oder Syrien schweigen.

Politische Veranstalter können auf einen wachsenden Kreis von Künstlerinnen und Künstlern bauen, die sich ausdrücklich auf die Seite linker, demokratischer und humanistischer Anliegen stellen. Über 2000 Künstlerinnen und Künstler etwa haben sich schon vor Jahren auch zu diesem Zweck in der Initiative „Unruhestiften“ zusammengeschlossen. Leider werden sie in der UZ seit einiger Zeit nicht mehr abgedruckt. Nicht mehr veröffentlichen will die UZ-Redaktion auch die Werke des Kommunisten und Grafikers Bernd Bücking. Wegen einiger Karikaturen, in denen der Künstler kritisch Stellung bezieht zu aktuell sehr umstrittenen politischen Fragen in der Linken, hat der Parteivorstand der DKP auf seiner letzten Sitzung mehrheitlich beschlossen, dass diese Bilder als „bürgerlich-antikommunistisch“ zu verabscheuen sind. Ein solches von Ignoranz und politischer Zensur geprägtes Vorgehen hat Antonio Gramsci sicher nicht im Sinn gehabt, als er von notwendigen „tiefgreifenden kulturellen Vorbereitungen“ auf den Sozialismus sprach.

Wenn uns die Kultur nicht nur in Kultursplittern begegnen soll, dann benötigen wir in der DKP wieder „ein großes Herz“ (Gerd Deumlich) für die Künstlerinnen und Künstler, also Weitherzigkeit statt Engherzigkeit, solidarische Kritik statt borniertester Verurteilungen, Förderung des Kunstverständnisses statt Einschränkung der Berichterstattung, Lebendigkeit der Debatte statt hölzerner PV-Beschlüsse.“


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