Von Giraffen und Fliegenklatschen

Erinnerungen an traditionsreiche Fußballstadien
Von Kai Böhne
|    Ausgabe vom 21. Oktober 2016
Das Bökelbergstadion war bis zum Ende der Saison 2003/04 die Heimspielstätte von Borussia Mönchengladbach. (Foto: Leralle/CC-by-sa 2.0/de/de.wikipedia.org/wiki/Datei:Boekelberg_westtribuene.jpg)
Das Bökelbergstadion war bis zum Ende der Saison 2003/04 die Heimspielstätte von Borussia Mönchengladbach. (Foto: Leralle/CC-by-sa 2.0/de/de.wikipedia.org/wiki/Datei:Boekelberg_westtribuene.jpg)

Klaus-Hendrik Mester
Vom Stadion zur Arena
172 Seiten, Preis 19,95 Euro
Arete Verlag, Hildesheim 2016

Groundhopper sind eine besondere Spezies von Fußballfans, sie sind bemüht, Fußballbegegnungen in möglichst vielen verschiedenen Stadien zu besuchen.
Einer dieser Groundhopper, Klaus-Hendrik Mester, ein bekennender Borussia-Mönchengladbach-Fan, hat kürzlich seine Erinnerungen an 22 „Pilgerstätten des deutschen Fußballs“ in einem ausführlich illustrierten Buch zusammengetragen.
Einige dieser Stadien,wie der Aachener Tivoli, der Mönchengladbacher Bökelberg, das Oldenburger Stadion Donnerschwee oder der Hamburger Sportplatz am Rothenbaum existieren heute bereits nicht mehr. Ihrer zentralen Lage wegen mussten sie anderen Bauvorhaben weichen.
An vielen anderen Orten wie in Bielefeld, Düsseldorf, Duisburg, Dresden, Leipzig, Magdeburg oder Offenbach wurden die Traditionsstadien abgerissen, um am gleichen Ort neue moderne Sportstätten zu errichten.
Autobiografisch berichtet Mester von seinem ersten Besuch im Bökelbergstadion. Auch beim letzten Spiel auf dem Bökelberg, im Mai 2004, war Mester dabei. Heute steht eine Wohnsiedlung auf dem früheren Spielfeld. Die Terrassen der ehemaligen Nord- und Südkurve sowie die der Haupttribüne blieben erhalten. Mester dokumentiert dies mit eigenen Fotos. Auch eine Eintrittskarte des letzten Bökelbergspiels ziert das Stadionbuch.
Mester sprach mit Zeitzeugen und erinnert an besondere Spiele in den ehemaligen Stadien. Selbst deren Flutlichtmasten wurden mit Kosenamen bedacht. Die 60 Meter hohen, nach vorn geneigten Masten des Dresdener Rudolf-Harbig-Stadions wurden liebevoll Giraffen genannt. Die abknickenden Scheinwerfer in Rautenform, am Ende der Flutlichtmasten des Dortmunder Westfalenstadions bekamen von Fußballfans den Spitznamen Fliegenklatschen.
1984 spielte sogar eine Folge der ARD-Krimireihe „Tatort“ im Duisburger Wedaustadion. Nachdem Fernsehkommissar Schimanski im Stadion ein Fußballspiel des MSV Duisburg verfolgt hatte, wurde auf der Tribüne eine Leiche entdeckt.
Interessierte bekommen von Mester Literaturhinweise und Internetquellen zur weiteren Lektüre genannt. Wehmütig trauert er „den alten zugigen, aber unverwechselbaren Fußballtempeln“ nach, die „charakterlosen, scheinbar genormten Arenen, die im Jahrestakt den Namen wechseln“, weichen mussten.
„Von den Verpflegungsständen wabert Rauch von Grillwürstchen herüber und mischt sich mit dem Geruch des satten Rasens … noch heute liebe ich diese Verschmelzung der beiden Düfte.“ Hier spricht ein leidenschaftlicher Groundhopper, der sich mit dem Buch eine Herzensangelegenheit erfüllt hat.

Klaus-Hendrik Mester
Vom Stadion zur Arena
172 Seiten, Preis 19,95 Euro
Arete Verlag, Hildesheim 2016


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Leserbrief zu »Von Giraffen und Fliegenklatschen«, UZ vom 21. Oktober 2016





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