Meine Schule macht mich krank

Mobbing, Leistungsdruck und keine Freizeit

von Lino (17), Schüler aus Marburg, der gerne Arzt werden würde
Aus Position
|    Ausgabe vom 14. Oktober 2016

„Mir wurde immer gesagt, die Kindheit und Jugend sei die ‚goldene Zeit des Menschen‘, in der man viel Freizeit hat und tolle Erfahrungen machen kann. Leider merke ich in meinem Alltag nichts davon. Ich gehe auf ein Gymnasium in Marburg. Mit sechs Jahren wurde ich in einer sechsjährigen Grundschule eingeschult, in der Siebten kam ich dann auf meine heutige Schule. Hier erfuhr ich was es bedeutet, keine Markenklamotten und nicht das neueste Handy zu haben. Seit der Oberstufe ist es besser geworden aber dafür hat der Stress mit den Noten zugenommen. Ich möchte gerne Medizin studieren, weil ich Menschen helfen möchte, aber dafür brauche ich ein 1,0er-Abi, momentan stehe ich auf 1,2. Ich muss also noch besser werden und konnte mir schon jetzt kaum Pausen leisten. Wie soll das nur in der Zukunft aussehen? Vor Klausuren bekomme ich Angst, weil sie über meine Zukunft entscheiden. Nur bei den besten Noten kann ich zufrieden sein. Dieser ganze psychische Druck hat mich krank gemacht. Das muss man offenbar in Kauf nehmen, wenn man nicht als Verlierer enden will. Und wenn mein Arzt mir rät, weniger zu tun, dann kann ich das nicht erfüllen, weil ich später selber Arzt werden will.
Leistungsdruck, Stress, Angst vor dem Versagen und keine Freizeit. Das ist mein Alltag im deutschen Schulsystem. Und wenn LehrerInnen und vor allem PolitikerInnen sagen, dass es wichtig ist, neben der Schule noch Hobbys zu haben, Sport machen zu können und ausgeglichen zu leben, dann ist das blanker Zynismus.“


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Mobbing, Leistungsdruck und keine Freizeit«, UZ vom 14. Oktober 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.