Dortmund vs Real – einmal hin, alles drin

Der Fußball-Ticker • Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 7. Oktober 2016

Dortmund gegen Real Madrid. Mit Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer und Weigl gegen Weltstars wie Modric, Bale, Benzema und Ronaldo. My lovely Mister Singing Club. Und vorne bei uns neben Aubameyang ein Guerreiro (22) und ein Dembelé (19). Uff. Konnte das gut gehen? Es konnte. Und wie!
Pfeilschnell, gierig, unberechenbar (okay, manchmal auch ungestüm) legten die jungen Borussen vor, dass es eine wahre Freude war, außer vielleicht für einen Sergio Ramos (31, 138! Länderspiele für Spanien) in der Abwehr von Real. Wir führen das Welt­ensemble vor – bis zur 17. Minute. Da steht es 0:1. Keine Ahnung, wie das passiert ist, aber es war mal wieder diese Schmalztolle Ronaldo. Unerträglich der Fatzke. Darf man überhaupt Fußball spielen, wenn man so aussieht? Gerade will ich tiefste Depressionen in russischem Vodka ertränken, da legt Dortmund nach als wäre aber auch gar nix passiert. Dembélé (25.) und Sokratis (34.). Weiter, weiter! Und siehe, vor der Pause: 1:1 durch Aube. Cool. Das Stadion tobt. Ich auch. Auf dem Sofa.
Die Pause vergeht durch Fachgesimpel der einfachen Art. Danach: Wir gut. Real aber auch. 68. Minute: Tor. Für die. Durch Varanes. Sch*****.
Dann die Szene des Spiels, für mich zumindest: Dembelé (der richtig, richtig geil war) raus, Pulisic rein. Einen 18-Jährigen für einen 19-Jährigen. Das war’s dann wohl, wo ist mein Vodka? Aber: Guerreiro (70.), Schürrle (75.), Mor (83.) – Chancen ohne Ende, nur kein Ausgleich. Dann Flanke eben jener Pulisic und Schürrle haut das Ding in den verdammten Winkel – 2:2. Das Stadion explodiert, mein Wohnzimmer auch. Haben die Nachbarn schon die Unifomierten angerufen? Egal. Wir brüllen und toben, dass es eine Freude ist.
Fehlt nur der Jürgen, der Kloppo, der im Stadion wie ein durchgeknallter Gummiball mit gefletschten Zähnen die Seitenlinie entlang tobt. Aber die Zeiten sind vorbei. Leider. Allerdings: Strichmännchen Tuchel, die wandelnde Tofustange, macht es ja auch nicht schlecht. Das mit dem Fußballspielen lassen. Also wirklich nicht.


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Leserbrief zu »Dortmund vs Real – einmal hin, alles drin«, UZ vom 7. Oktober 2016





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