Wenig praxistauglich

Von Volker Metzroth, Bad Kreuznach
|    Ausgabe vom 7. Oktober 2016

Persönlich neige ich dazu, besser keine Tarifverträge (TV) abzuschließen als schlechte. Dennoch befasse ich mich mit den Argumenten jener KollegInnen, die das anders sehen. Sie abzustempeln als solche, die nur die Profite sichern wollten, ist gerade bei der Leiharbeit platt, wenig praxistauglich und weitab von der Gewerkschaftspolitik der DKP seit 1968.
Leiharbeit wurde durch die Agenda­politik zum sozialen Problem und dadurch, dass auch hier schlechtere tarifvertragliche als gesetzliche Regelungen erlaubt sind. Das öffnete Kapitalisten den Weg zu Dumping-TV mit „Christlichen“ oder mit deren Androhung, den DGB unter Druck zu setzen. So kamen in kaum organisierten Branchen Verträge zustande, die verschärfte Ausbeutung allenfalls begrenzten.
In Statusverfahren vor dem Bundesarbeitsgericht wurde geklärt, dass diese „Gelben“ nicht tariffähig sind. Das Argument, dass jetzt ohne DGB-TV gleicher Lohn bezahlt werden müsse, ist oberflächlich betrachtet OK. Einwände dagegen sind: Die aktuellen TV wirkten auch ohne Neuabschlüsse weiter. Diese Nachwirkung in Frage zu stellen, könnte für andere Branchen nachteilig werden. Ohne TV gäbe es für die verleihfreien Arbeitszeiten keine Regelungen. Es gibt noch andere „Gelbe“, die einspringen könnten, deren TV frühestens nach 4 bis 5 Jahren ggf. für unwirksam erklärt würden.
Klassenbewusste Organisierung … von Leiharbeitern und Stammbelegschaften als Alternative klingt gut, der Wille alleine reicht aber nicht aus. Desorganisation in der modernen Arbeitswelt, Wegbrechen traditioneller Milieus, Berieselung durch Medien etc. seien hier nur erwähnt. Verbale Kraftakte helfen da nicht weiter. Über gegenteilige Erfahrungen in seinem Betrieb kann der Autor ja gelegentlich mal berichten, derweil sich andere weiter von unserem Programm leiten lassen werden.


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