Hände weg vom Bomben-Buzzer

Von Uwe Koopmann
|    Ausgabe vom 7. Oktober 2016
Kalkar (Foto: redpicture)
Kalkar (Foto: redpicture)

Rund 400 Teilnehmer – nach Veranstalter-Angabe – setzten mit einem bunten Fahnenmeer und zahlreichen Transparenten in Kalkar am Niederrhein erneut ein deutliches Zeichen gegen die NATO-Kommandozentrale in der Seydlitz-Kaserne. Dort wird auf den Buzzer gedrückt, um völkerrechtswidrig zum „richtigen“ Zeitpunkt wo auch immer in der Welt einen Bombenhagel auf Soldaten und Zivilisten regnen zu lassen.
Bei dieser PlayStation muss allerdings mit friendly fire, „Interventionen“ bei Hochzeitsfeiern und Beerdigungen oder Bombardements wie in Kundus gerechnet werden. Felix Oekentorp, Landessprecher der DFG-VK in NRW, erinnerte an Oberst Georg Klein, der am 4. September 2009 auf Zivilisten schießen ließ – und später zum Brigadegeneral befördert wurde. Nicht alle Soldaten sterben durch Gegner oder durch die eigene Truppe. Oekentorp erinnerte an die 22 Bundeswehrsoldaten, die sich dem Gemetzel durch Suizid entzogen haben. Für alle Opfer dieses sinnlosen Sterbens wurde ein Kranz vor der Kaserne abgelegt.
Andreas Zumach, Journalist und Buchautor, zeigte auf, dass aktuelle Kriege und Konflikte noch nicht das Ende von Strategie und Taktik, von Waffenentwicklung und Massenvernichtung, von asymmetrischer Kriegführung und Drohneneinsatz bedeuten. Formen eines „moderneren Krieges“ ertüftelt das Joint Air Power Competence Centre (JAPCC) – ebenfalls in Kalkar.
Werner Steinecke (69), 1. Vorsitzender des Kunstvereins Emmerich, warnte vor einer weiteren militärischen und politischen Eskalation, die häufig durch Desinformation vorbereitet werde. Die Bundeswehr verfüge über eine lange Erfahrung, denn schon im Kalten Krieg versuchte sie, die Soldaten der NVA in der DDR mit Flugblättern zu „berieseln“. Der vorherrschende Westwind diente als Helfer.
Passend dazu die Musik, vorgetragen von der Band „Fresh Game“ aus Duisburg, die die Aktionen in Kalkar seit Anbeginn begleitet. Mit im Repertoire: Hannes Waders „Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun.“
Eine Gegenforderung der Friedensbewegung gegen JAPCC und militärische Verblödung: Umwandlung der Kaserne in ein Friedenszentrum.
300 Friedensfreunde trafen sich im Anschluss auf dem Willi-Brandt-Platz in Essen. Dort traten unter anderem Eugen Drewermann und Sevim Dagdelen als RednerIn auf.


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