Rohrkrepierer bei Covestro

Von Bayer geerbte Gift-Pipeline hängt der Firma als Klotz am Bein
Von Uwe Koopmann
|    Ausgabe vom 16. September 2016
Blick auf die CO-Pipeline-Trasse der Bayer-Covestro (Foto: Uwe Koopmann)
Blick auf die CO-Pipeline-Trasse der Bayer-Covestro (Foto: Uwe Koopmann)

Am 1. September 2015 wurde die Bayer MaterialScience, eine Tochter der Bayer AG, in Covestro, ebenfalls eine Bayer-Tochter, umgetauft. Das Kleinkind des Chemie-Riesen ist nicht irgendwer, sondern einer der größten Kunststoffhersteller der Welt. Die Entfernung aus der Bayer-Familie und gleichzeitige Wiedereingliederung unter neuem Namen hat sich gelohnt: Zum letzten Jahreswechsel wurde der Umsatz mit 11 982 Mio. Euro angegeben, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mit 1 659 Mio. Euro. Auf dem Gabentisch des Geburtstagskindes lag allerdings auch ein millionenschwerer Rohrkrepierer: die funktionslose CO-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen.
Die PR-Abteilung textete in schicker Optik, dass Covestro „durchstarten“ werde. Bezogen auf die Gewinnerwartungen trifft das sicherlich zu. Bezogen auf die CO-Pipeline geht es aber eher, um einen beschönigenden Begriff von Ex-Superminister Karl Schiller (SPD) aufzugreifen, um ein deutliches „Minuswachstum“, denn die Pipeline gleicht seit Jahren einem toten Gleis, weil die Inbetriebnahme durch den Protest von mehr als 110 000 Bürgern, zehn Städten und couragierte juristische Verfahren bisher erfolgreich verhindert wurde.
Zur Entwicklung des Bayer-Aktienkurses haben vor allem gesunkene Rohstoffpreise beigetragen und dabei auch die besonders stark gefallenen Preise für den in der Uerdinger CO-Erzeugungsanlage verwendeten Koks. Die „Stopp Bayer-Covestro-Pipeline“-Initiativen stellen jedoch fest: „Wo Glanz ist, versucht man gerne die Schattenseiten zu verschweigen.
Aber die CO-Pipeline-Projekte hängen der Firma weiter als Klotz am Bein: Die 67 Kilometer lange CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen liegt schon lange auf Eis – aktuell wegen der ausstehenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.“
Für die Initiativen ist ebenfalls fraglich, wie lange die unsichere, marode CO-Pipeline zwischen Dormagen und Leverkusen noch betrieben werden darf. Daran, so der Pressekoordinator der Initiativen, Dieter Donner, haben der angekündigte neue Düker, eine Rohrunterführung unter dem Rhein und das kurze neue CO-Leitungsstück nichts geändert. Eine wirksame Problemlösung habe Covestro – wie bisher Bayer – nicht zu bieten. Als Rohrkrepierer erwies sich auch die Behauptung von Bayer, dass die Zukunft der gesamten Chemieindustrie am Rhein gefährdet sei, wenn die Leitung nicht freigegeben werde.
Die Initiativen – und auch die DKP – werfen Konzernchef Patrick Thomas vor, dass er es versäumt habe, einen klaren Schlussstrich unter das unrühmliche Kapitel „Giftstofftransport in Pipelines“ zu ziehen. Donner: „Mit einem Stopp hätte er eine gefährliche Kinderkrankheit von Covestro gleich im ersten Lebensjahr kurieren und das Unternehmen strategisch gut aufstellen können.“
Die DKP unterstützt die Forderung, Kohlenmonoxid nur da einzusetzen, wo es produziert wird. Eine „Lagerhaltung für Nachfragen just-in-time“ in der 67 Kilometer langen Pipeline sei ökonomisch unsinnig und logistisch hochgefährlich, zumal wenn das Rohr mitten durch Wohngebiete, dicht vorbei an Kindergärten und Schulen verlaufe. Bisherige Bombenfunde im Umfeld der Pipeline seien ein weiterer Beleg dafür, die Leitung nicht in Betrieb zu nehmen.


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Leserbrief zu »Rohrkrepierer bei Covestro«, UZ vom 16. September 2016





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