„Echte Liebe“ Dortmund gegen „Red Bullshit“ Leipzig

Der Fußball-Ticker
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 16. September 2016

Minus 60. Minute: Der echte Borussenfan hört das Spiel am Radio – er hat Angst vor dem Augenkrebsrisiko beim Anblick des Plastikvereines „Red Bull“ Leipzig. Ich gehe mit der Freundin in den Biergarten zum Gucken, da sieht man nur wenig, dafür ist das Bier schön kalt.
Minus 45. Minute: Das mit dem Bier ist so eine Sache, kalt ist es, aber man bekommt keines.
Minus 30. Minute: Selber an der Biertheke angestellt, es läuft, zumindest bei mir.
Minus 10. Minute: Die Aufstellung macht die Runde. Beim ekeligen Brauseclub hab ich einen Namen schon mal gehört: Timo Werner. Der Rest …? Dortmund spielt mit Rode und ­Weigl im Zentrum. Nachtigall, ich hör dir schleichen, wird das ein Querpassfestival? Spielen wir auf 0:0? Und warum?
0. Minute: Anstoß. Auf geht’s. Bier holen.
15. Minute: Red Bull verleiht nicht nur angeblich Flügel, es scheint auch dem einen oder anderen Kollegen aufs Herz zu gehen. Einige Leipzig Spieler bolzen bevorzugt gegen den Mann und mitnichten gegen den Ball.
25. Minute: Es wird. Und zwar ein Querpassfestival. Mit gefühlter 50-prozentiger Fehlpassquote auf beiden Seiten. Spannung macht sich breit. Aber nur in der Schlange vorm Zapfhahn.
28. Minute: Schürrle. Schürrle. Schürrle … Drüber. Blöd.
42. Minute: Andere Seite. Sabitzer. Sabitzer. Sabitzer … Drüber. Gut.
44. Minute: Meine Freundin bestellt Weinschorle. Interessant.
Pause. Schlange zur Toilette gegen Schlange beim Bierholen: 73 zu 58. Auch mal ein Ergebnis.
46. Minute: Dortmund hat Wunderkinder wie Dembelé, Pulisic oder Guerreiro auf der Bank. Jungs, die mit dem Ball Dinge tun, bei denen andere direkt danach in die Hals-Nasen-Ohren-Klinik UND zum Orthopäden müssen. Es spielen: Rode und Weigl. Keine Wechsel beim BvB.
57. Minute: Querpass. Was macht eigentlich Pummelfee Götze, der schlechteste Spieler der Welt? Spielt gut. Läuft und grätscht und zweikämpft bis zur Unterhose. Immerhin.
71. Minute: Was Klopp konnte, kann Tuchel schon lange: Viel zu spät wechseln. Dembelé und Guerreiro für Pummelfee und Castro. In der schäbigen Leipziger Bude, in der anscheinend auf JEDEM freien Zentimeter ein Red-Bull-Logo klebt, ist plötzlich Vollalarm. Sieht prima aus, kommt nur nix bei raus. Und das Bier ist auch alle. Mist. Aber Dembelé… ein Kracher!
80. Minute: Frisches Bier zum abgestandenen Spiel. Ein Mensch namens Halstenberg köpft frecherweise auf unser Tor, Guerreiro auf der Linie. Uff.
83. Minute: Schürrle. Schürrle. Schürrle … Latte. Ahhhhhhhhhhhhhh…
85. Minute: Kurz eingenickt. War was?
89. Minute: Tor. Irgendwie. Von irgendwem. Gegen uns. Aber warum?
93. Minute: Aus. Die Maus. Raus. Wüste Beschimpfungen um mich herum, obwohl ich aber auch gar nichts getan habe.
97. Minute: 0:1 gegen den Plastikbrauseclub mit 100-prozentiger Traditionsabstinenz. Wir trollen uns. Das Wochenende ist ermordet. Kurzer Blick auf meine Dame: „Echte Liebe“ findet heute sicherlich auch nicht mehr statt. Scheiße.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »„Echte Liebe“ Dortmund gegen „Red Bullshit“ Leipzig«, UZ vom 16. September 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.