Historische Migrationsbewegungen

Ursprüngliche Akkumulation und industrielle Reservearmee
Von Klaus Stein
|    Ausgabe vom 9. September 2016
Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850 (Foto: Bundesarchiv, Bild 137-041316 / CC-BY-SA 3.0)
Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850 (Foto: Bundesarchiv, Bild 137-041316 / CC-BY-SA 3.0)

Die Vereinten Nationen schätzen die aktuelle Zahl der Menschen, die in einem anderen Land als dem ihrer Geburt leben, auf 244 Millionen. Die Internationale Organisation für Migration geht sogar von mehr als 250 Millionen internationaler Migranten aus. 1990 waren es noch 154,2 Mio. (…) Im Rahmen der Migration wächst auch die Zahl der Flüchtlinge, die mittlerweile 60 Mio. beträgt. Auch hier sind die Steigerungen dramatisch.
Gleichzeitig wächst überproportional der Anteil der Stadtbewohner. Gegenwärtig wohnen über 54 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. (…) Entwicklungsländer holen die Industrieländer ein. (…)
„Von den 969 Mio. Einwohnern der Megastädte leben 411 Millionen in Entwicklungs- und Schwellenländern (UN 2010). In einigen Megastädten – z. B. Mexiko-Stadt, São Paulo, Seoul, Mumbai, Jakarta und Teheran – verdreifachten sich die Bevölkerungszahlen zwischen 1970 und 2000. Derart hohe Wachstumsraten (…) sind ausschließlich durch massive Migrationsgewinne, vor allem durch Land-Stadt-Wanderung, innerhalb kurzer Zeit zu erklären.“ (Angaben der UN, zitiert nach Frauke Kraas/Tabea Bork, Urbanisierung und internationale Migration: Versuch einer Standortbestimmung, Baden-Baden 2012, S. 14 f.)

Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850

Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850

( Bundesarchiv, Bild 137-041316 / CC-BY-SA 3.0)

Vor 150 Jahren bemerkt Marx zu diesem Thema: „Die Grundlage aller entwickelten und durch Warenaustausch vermittelten Teilung der Arbeit ist die Scheidung von Stadt und Land. Man kann sagen, dass die ganze ökonomische Geschichte der Gesellschaft sich in der Bewegung dieses Gegensatzes resümiert …“
Setzen wir aber noch früher an. (…) Ins fruchtbare Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris zogen nach den Sumerern die Akkader, Assyrer, Babylonier, die Perser. Den Persern folgten die Makedonier, Parther, Sassaniden, Araber und schließlich die aus Mittelasien herangerittenen Osmanen. Israeliten zogen aus Ägypten, die Dorer, Ionier an die Küsten der Ägäis, die Phönizier nach Karthago, Vandalen und Goten durchs Imperium Romanum. (…)
Was ist der letztliche Grund für diese Wanderungen? Gewaltsame Aneignung des Mehrprodukts oder Flucht zwecks Vermeidung derselben.
Mit der neolithischen Revolution breiten sich Ackerbau und Viehzucht aus, Vorratshaltung und Sesshaftigkeit. Jäger und Sammler haben das Nachsehen, wenn sie sich nicht die Ergebnisse fremder Arbeit räuberisch aneignen oder gar mittels Sklavenhaltung die Aneignung verstetigen.
Die Sklavenhaltung als Produktionsweise, einmal entwickelt, erweist sich am Ende im Verhältnis zur feudalen, die dem Bauern einen Teil seiner Arbeitsergebnisse lässt, als weniger produktiv. Der Bauer wiederum kann sich erst in den Städten dem feudalen Zwang entziehen, bezahlt seine doppelte Freiheit mit dem Formwechsel der Ausbeutung.

Sogenannte ursprüngliche Akkumulation
Dieser Formwechsel heißt: ursprüngliche Akkumulation. Es geht um die Trennung der unmittelbaren Produzenten, der Bauern und Handwerker, von ihren Produktionsmitteln, die Konzentration dieser Produktionsmittel in den Händen der Kapitalisten sowie die Verwandlung der Arbeitskraft der Arbeiter in eine Ware. „Das Kapitalverhältnis setzt die Scheidung zwischen den Arbeitern und dem Eigentum an den Verwirklichungsbedingungen der Arbeit voraus. Sobald die kapitalistische Produktion einmal auf eigenen Füßen steht, erhält sie nicht nur jene Scheidung, sondern reproduziert sie auf stets wachsender Stufenleiter.
Der Prozess, der das Kapitalverhältnis schafft, kann also nichts andres sein als der Scheidungsprozess des Arbeiters vom Eigentum an seinen Arbeitsbedingungen, ein Prozess, der einerseits die gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsmittel in Kapital verwandelt, andrerseits die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation ist also nichts als der historische Scheidungsprozess von Produzent und Produktionsmittel. Er erscheint als ‚ursprünglich‘, weil er die Vorgeschichte des Kapitals und der ihm entsprechenden Produktionsweise bildet. Die ökonomische Struktur der kapitalistischen Gesellschaft ist hervorgegangen aus der ökonomischen Struktur der feudalen Gesellschaft. Die Auflösung dieser hat die Elemente jener freigesetzt.“ (Alle Marx-Zitate beziehen sich auf Band 23 der MEW, Band I des Kapitals – UZ)
Es wird schon mal der Abstand übersehen, den Marx zum Begriff „ursprüngliche Akkumulation“ und seinem Autor Adam Smith hält. Das 24. Kapitel im „Kapital“, Band I, hat den Titel „Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“. Die spiele in der politischen Ökonomie ungefähr dieselbe Rolle wie der Sündenfall in der Theologie. (…) Gemeint ist doch: so wenig wie ihren Anfang, können wir das Ende der ursprünglichen Akkumulation bestimmen. „Die Expropriation des ländlichen Produzenten, des Bauern, von Grund und Boden bildet die Grundlage des ganzen Prozesses. Ihre Geschichte nimmt in verschiedenen Ländern verschiedene Färbung an und durchläuft die verschiedenen Phasen in verschiedener Reihenfolge und in verschiedenen Geschichtsepochen.“
Und die Betroffenen haben nicht selten erhebliche Strecken im Zuge dieses Prozesses zu bewältigen. Ohnehin sind die Methoden der ursprünglichen Akkumulation alles andre, nur nicht idyllisch. Die historisch fällige Trennung von Produzent und Produktionsmittel erscheint allzu oft als Flucht, Exil, Asyl. (…)
Marx gibt uns das englische Beispiel, wo noch im 15. Jahrhundert die übergroße Mehrzahl der Bevölkerung aus freien Bauern bestand, „durch welch feudales Aushängeschild ihr Eigentum immer versteckt sein mochte“. Die wirtschaftliche Blüte der Wollmanufakturen in Flandern ließ seinerzeit die Preise für Wolle steigen und bot den Anreiz der Verwandlung von Ackerland in Schafweide. Die Folge war Verarmung, Verfall von Dörfern und Landstädten, die Entvölkerung des Landes. Die Gesetzgebung „erschrak vor dieser Umwälzung“ und hielt vergeblich dagegen. Die Reformation im 17. Jahrhundert gab einen weiteren Anstoß im Zuge dieser Entwicklung mit dem Diebstahl der Kirchengüter und Klöster, deren Einwohner ins Proletariat geschleudert wurden. Die „glorious revolution“ brachte mit dem Oranier Wilhelm III. die grundherrlichen und kapitalistischen Plusmacher zur Herrschaft. Jetzt ging es an die Staatsdomänen, die verschenkt, zu Spottpreisen verkauft und gleich privat annektiert wurden – frei von jedweder gesetzlicher Etikette, wie Marx sagt. Die neue Grundaristokratie war „die natürliche Bundesgenossin der neuen Bankokratie, der eben aus dem Ei gekrochnen hohen Finanz und der damals auf Schutzzölle sich stützenden großen Manufakturisten“. Das überkommene Gemeindeeigentum hatte noch unter der Decke der Feudalität fortleben können. „Der Fortschritt des 18. Jahrhunderts offenbart sich darin, dass das Gesetz selbst jetzt zum Vehikel des Raubs am Volksland wird.“
Zum letzten großen Expropriationsprozess der Ackerbauer von Grund und Boden wurde das sogenannte Clearing of Estates, das Lichten der Güter. In Schottland vertrieb man die Bauern mit offener Gewalt. „Im 18. Jahrhundert wurde zugleich den vom Land verjagten Gälen die Auswanderung verboten, um sie gewaltsam nach Glasgow und andren Fabrikstädten zu treiben. Als Beispiel der im 19. Jahrhundert herrschenden Methode genügen hier die ‚Lichtungen’ der Herzogin von Sutherland.
Diese ökonomisch geschulte Person beschloss gleich bei ihrem Regierungsantritt eine ökonomische Radikalkur vorzunehmen und die ganze Grafschaft, deren Einwohnerschaft durch frühere, ähnliche Prozesse bereits auf 15 000 zusammengeschmolzen war, in Schaftrift zu verwandeln.
Von 1814 bis 1820 wurden diese 15000 Einwohner, ungefähr 3 000 Familien, systematisch verjagt und ausgerottet. Alle ihre Dörfer wurden zerstört und niedergebrannt, alle ihre Felder in Weide verwandelt.“ „Der Raub der Kirchengüter, die fraudulente Veräußerung der Staatsdomänen, der Diebstahl des Gemeindeeigentums, die usurpatorische und mit rücksichtslosem Terrorismus vollzogne Verwandlung von feudalem und Claneigentum in modernes Privateigentum, es waren ebenso viele idyllische Methoden der ursprünglichen Akkumulation. Sie eroberten das Feld für die kapitalistische Agrikultur, einverleibten den Grund und Boden dem Kapital und schufen der städtischen Industrie die nötige Zufuhr von vogelfreiem Proletariat.“
Danach schildert Marx die Gesetzgebung gegen die Expropriierten. „Die durch Auflösung der feudalen Gefolgschaften und durch stoßweise, gewaltsame Expropriation von Grund und Boden Verjagten, dies vogelfreie Proletariat konnte unmöglich ebenso rasch von der aufkommenden Manufaktur absorbiert werden, als es auf die Welt gesetzt ward. Andrerseits konnten die plötzlich aus ihrer gewohnten Lebensbahn Herausgeschleuderten sich nicht ebenso plötzlich in die Disziplin des neuen Zustandes finden. Sie verwandelten sich massenhaft in Bettler, Räuber, Vagabunden, zum Teil aus Neigung, in den meisten Fällen durch den Zwang der Umstände. Ende des 15. und während des ganzen 16. Jahrhunderts daher in ganz Westeuropa eine Blutgesetzgebung wider Vagabundage. Die Väter der jetzigen Arbeiterklasse wurden zunächst gezüchtigt für die ihnen angetane Verwandlung in Vagabunden und Paupers. Die Gesetzgebung behandelte sie als ‚freiwillige‘ Verbrecher und unterstellte, dass es von ihrem guten Willen abhänge, in den nicht mehr existierenden alten Verhältnissen fortzuarbeiten.“ Das Landvolk wurde „durch grotesk terroristische Gesetze in eine dem System der Lohnarbeit notwendige Disziplin hineingepeitscht, – gebrandmarkt, – gefoltert“.
Gegenwärtig wird für diesen Vorgang das Wort Integration abgenutzt. (…)
Im Jahre 1732 war Leopold von Firmian, Erzbischof von Salzburg, den Protestantismus leid, der sich im Pongau breit gemacht hatte. Nachdem die zwangsweisen Bekehrungsversuche von Jesuiten vergeblich gewesen waren, ließ er 20 000 Protestanten abschieben. Ein Fünftel überlebte das nicht. Der Rest fand als Salzburger Exilanten in Preußen auf Einladung von Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) eine neue Heimat. Die Ausweisung war teuer, sie erwies sich für Salzburg als wirtschaftlich katastrophal. In Ostpreußen hingegen, das die Pest von 1709 entvölkert hatte, verbesserte sich die Wirtschaftsbilanz durch diese „Repeuplierung“.
Der König wies auch einer Gruppe von 350 flüchtigen Hussiten („Herrnhuter“, „Böhmische Brüder“) das Dorf Rixdorf außerhalb Berlins, heute in der Nähe des Karl-Marx-Platzes in Neukölln, als Wohnort zu. (…) Schon sein Großvater, der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, selbst Calvinist, hatte 20 000 Hugenotten aufgenommen. In der Folge der Hugenottenkriege des 16. Jahrhunderts wanderten 200 000 französische Calvinisten, in der Regel tüchtige Bürger und Handwerker, in die protestantischen Staaten aus. Sie fanden in der Schweiz, den Niederlanden, in England, Irland, Deutschland und Nordamerika eine neue Heimat und waren in der Regel wirtschaftlich erfolgreich. Sie entwickelten Textil- und Seidenmanufakturen, führten in Deutschland den Tabakanbau ein, fertigten Schmuck und handelten mit ihm. Alles Tätigkeiten, die der Handelsbilanz gut taten. Für beide Herrscher waren – bis auf das Detail der Herrschaftsform – die bürgerlichen Niederlande und ihr ökonomischer Erfolg eine wichtige Orientierung. Einen Hinweis gibt das Holländische Viertel im Zentrum Potsdams, das der Enkel zwischen 1733 und 1742 unter Leitung des holländischen Baumeisters Johann Boumann erbauen ließ.

Auswanderung nach Nordamerika
Die Kurpfalz war infolge des Dreißigjährigen Krieges entvölkert. Um 75 bis 80 % war die Zahl der Einwohner zurückgegangen. Kurfürst Karl Ludwig (1617–1680) warb um Neusiedler aus Nachbargebieten, aber auch aus den spanischen Niederlanden, der Schweiz, Tirol und Frankreich. Häufig konfessionell verfolgt, folgten sie der Einladung. Indes blieb der wirtschaftliche Erfolg aus, erst recht im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges Ende des 17. Jahrhunderts (1688–1697). Französische Truppen besetzten das Land. Viele Städte waren zerstört. Die Bevölkerung floh. Die Neusiedler zuerst. Schon 1660 ließen sich Hugenotten, die zuvor in Mannheim Zuflucht gefunden hatten, in der englischen Kolonie am Hudson River nieder. Ihre 1677 gegründete Siedlung nannten sie New Paltz.
(…) Nach der Erntekrise von 1708/09 machten sich rund 13 000 Menschen aus der Kurpfalz auf den Weg nach England, um von dort in die nordamerikanischen Kolonien auszuwandern. Englische Großgrundbesitzer erhofften sich eine rasche Erschließung ihrer Ländereien. Tatsächlich wurde den Pfälzern im Mai 1708 die Ansiedlung in der Kronkolonie New York gewährt. Sie gründeten hier die Siedlung Neuburg (Newburgh). Den Auswanderern, die 1709 hoffnungsfroh über Holland nach London gekommen waren, viele aus Rheinhessen, der Vorderpfalz, vom Hunsrück, dem Westerwald, wurde indes die Weiterfahrt verweigert. Sie hatten zunächst Platz in einem Flüchtlingslager in der Nähe von London gefunden, aber dauerhaft wollte man die Flüchtlinge nicht versorgen. Die Katholiken unter ihnen wurden wieder zurückgeschickt, Protestanten nach Irland verbracht. In die Schiffe, die nach Amerika segelten, gelangten lediglich 3 000 Personen. 800 von ihnen überlebten die Reise nicht. Die anderen erfuhren in New York, dass sie für die Kosten ihrer Überfahrt aufzukommen hatten. Sie wurden in die Pinienwälder geschickt, sollten dort zunächst Teer und Masten für den Schiffsbau herstellen. Protest unterdrückten britische Truppen.
Schätzungsweise 100 000 Deutsche wanderten bis zur Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten in die britischen Kolonien Nordamerikas aus. Vor allem am Mittel- und Oberrhein konnten sich Werber im Auftrag von interessierten Regierungen, Großgrundbesitzern und Reedern tummeln. Wenn die Auswanderer nach vier bis sechs Wochen in Rotterdam anlangten, waren sie in der Regel schon mittellos. Zur Finanzierung der Weiterfahrt verdingten sie sich als „Redemptioner“. Sie verpflichteten sich gegenüber dem Kapitän zu jahrelanger Arbeit ohne Bezahlung nach der Ankunft in Amerika. (…)
Es gelangten pfälzische Mennoniten auf Einladung des Quäkers William Penn nach Pennsylvania. Seine Kolonie wurde zum wichtigsten Ziel in Amerika. Zwischen 1727 bis 1755 registrierten die Hafenbehörden von Philadelphia 239 Schiffe mit deutschen Immigranten. Allein 1749 trafen 7 000 Passagiere aus Deutschland ein. 1751 gab Benjamin Franklin den Überfremdungsängsten der englischen Bevölkerung Pennsylvanias Ausdruck. Er bezeichnete die Integrationsverweigerer als Palatine Boors, als Pfälzer Bauernlümmel. 1790 ergab die erste Volkszählung in den USA vier Millionen Einwohner. Der Anteil der Deutschstämmigen betrug 8,6 Prozent. (…)
In Irland herrschte in den Jahren 1845 bis 1852 Hungersnot, unter anderem durch die Kartoffelfäule, durch die eine Million Menschen, 12 Prozent der irischen Bevölkerung, starben. Zwei Millionen wanderten aus. Marx untersucht sehr detailliert die Entwicklung und ihre Folgen. Zersplitterte Produktionsmittel, die den Produzenten selbst als Beschäftigungs- und Subsistenzmittel dienen, ohne sich durch Einverleibung fremder Arbeit zu verwerten, seien ebenso wenig Kapital, als das von seinem eigenen Produzenten verzehrte Produkt Ware ist. Wenn mit der Volksmasse auch die Masse der in der Agrikultur angewandten Produktionsmittel abnähme, so habe die Masse des in ihr angewandten Kapitals zugenommen, weil ein Teil früher zersplitterter Produktionsmittel in Kapital verwandelt worden sei. „Das außerhalb der Agrikultur, in Industrie und Handel angelegte Gesamtkapital Irlands akkumulierte während der letzten zwei Dezennien langsam und unter beständiger großer Fluktuation. Umso rascher entwickelte sich dagegen die Konzentration seiner individuellen Bestandteile. Endlich, wie gering immerhin sein absolutes Wachstum, relativ, im Verhältnis zur zusammengeschmolzenen Volkszahl, war es angeschwollen.“ Die Hungersnot habe 1846 über eine Million Menschen erschlagen, aber nur arme Teufel. Das habe dem Reichtum des Landes nicht den geringsten Abbruch getan. Die landwirtschaftliche Produktion war gemindert, auch die Menge an Vieh nahm ab. Dennoch stiegen mit dem Bevölkerungsschwund fortwährend Bodenrenten und Pachtprofite, denn die Konzentration von Pachtland und die Umwandlung von Ackerland in Viehweide verwandelte einen größeren Teil des Gesamtprodukts in Mehrprodukt. Folglich dezimierte der nachfolgende zwanzigjährige und stets noch anschwellende Exodus nicht, wie etwa der Dreißigjährige Krieg, mit den Menschen zugleich ihre Produktionsmittel. (…)

Leseprobe, Text gekürzt und ohne Fußnoten
Der Beitrag erschien in den Marxistischen Blättern, Heft 5_2016


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Leserbrief zu »Historische Migrationsbewegungen«, UZ vom 9. September 2016





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