Einer von uns:

Robert Jung

|    Ausgabe vom 2. September 2016

Robert Jung

Robert Jung

( Archiv)

Er hat uns gefehlt im Baden-Württemberg-Zelt, beim diesjährigen Pressefest.
Seit vielen Jahren war er von seiner Wahlheimat, dem Portugal der Nelkenrevolution, zum Pressefest angereist, hatte uns mit seinem guten portugiesischen Wein bewirtet und mit uns unsere alten Kampflieder gesungen.
Seine Familie bescherte ihm noch zu seinem 86. Geburtstag am 19. Mai eine beeindruckende Feier. Wir trafen ihn im Pflegeheim – einen kranken Greis, bei dem der kämpferische Haudegen erst wieder beim Gesang unserer alten Lieder zum Vorschein kam. Am 20. Juli dieses Jahres ist er gestorben.
Der Name Robert Jung muss erwähnt werden wenn vom 60. Jahrestag des KPD-Verbotes die Rede ist. Seine Erlebnisse und die seiner Familie machen deutlich zu was der kapitalistische Staat in der Lage war wenn es gegen Bewegungen für ein fortschrittliches, friedliches und einheitliches Deutschland ging.
Am 11. Februar 1966 wurde Robert im Rahmen der sogenannten Aktion Schneehase zusammen mit mehr als 60 Gesinnungsgenossen verhaftet und inhaftiert. Die Anklage lautete Staatsgefährdung, Geheimbündelei und Spionage für die DDR. Ein Jahr lang saß Robert in Untersuchungshaft in Stuttgart-Stammheim bis zum Prozessbeginn und der Urteilsverkündung im Gefängnis.
Dass der Staat ihn zum Feind erklärte, bekam auch seine Frau zu spüren, als die Scheidung anstand. Sie und ihre Kinder wurden Opfer der Sippenhaft der Adenauer-Justiz. Als ihr Mann verhaftet wurde, kündigte man ihr den Arbeitsvertrag und die Wohnung. „Das war eine schlimme Zeit für meine Mutter, meinen Bruder und mich“ erinnert sich Petra, seine Tochter. Der Filmemacher Hermann Abmayr berichtete in dem Film „Als der Staat rot sah“ vom Schicksal dieser Familie.
Wozu verbohrter Antikommunismus in der Lage ist zeigt, dass Robert zu einem Scheidungstermin aus dem Gefängnis in Handschellen vorgeführt wurde. Der Protest seiner Frau Irene, welche ihm immer solidarisch zu Seite stand, hatte nur eine impertinente Bemerkung des Scheidungsrichters zur Folge.
Vor Gericht erklärte Robert Jung, dass er aus Achtung für die Gradlinigkeit eines kommunistischen Betriebsrates und dessen furchtloses Eintreten für die Belange geschundener Lehrlinge zur KPD kam. – „Wir haben immer auf dem Boden des Grundgesetzes gearbeitet. Die KPD wurde verboten weil sie gegen die Aufrüstung war.“ Robert wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Hauptbelastungszeugen waren ein vom Verfassungsschutz bezahltes Agentenpaar.
Mit Robert Jung ist einer der letzten lebenden direkt Betroffenen des KPD-Verbotes gestorben.


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