Die Rückkehr des Königs

Uli Hoeneß wird (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) wieder Präsident des FC Bayern
Von Maurice Böse
|    Ausgabe vom 19. August 2016

Der Homepage des FC Bayern kann entnommen werden, dass sich Uli Hoeneß dazu entschieden hat, auf der Hauptversammlung der Bayern im November dieses Jahres erneut als Präsident zu kandidieren. Und niemand zweifelt ernsthaft daran, dass er diese Wahl gewinnen wird. Damit hat er sein Versprechen wahrgemacht, dass er der Bayern-Familie kurz nach seiner Verurteilung gegeben hat: „Das war’s noch nicht. Ich komme wieder.“ Wir erinnern uns: im Jahr 2014 wurde Hoeneß wegen Steuervergehen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Seine erneute Kandidatur ist nun ein Anlass für diverse Medien, danach zu fragen, ob er das überhaupt dürfe.

„Besitzt ein Vorbestrafter die Eignung, ein hohes Amt beim FCB zu bekleiden?“ Diese Frage stellt sich etwa Tim Jürgens* vom Fußballkulturmagazin 11FREUNDE. Nun könnte man auch ohne jegliche Sympathien für Hoeneß fragen: „Warum denn nicht?“ Auch Jürgens betont, dass Hoeneß mit dem Absitzen seiner Haftstrafe eigentlich das Recht hätte, seine Zukunft ohne Rücksicht auf seine Vergangenheit anzugehen. Allerdings will sich Jürgens damit nicht ganz zufrieden geben und erklärt den „medial bis ins kleinste Detail durchleuchteten“ Fußballsport zu einem Sonderfall: „Hier, wo junge Millionäre nichts mehr fürchten, als mit einer Zigarette fotografiert zu werden oder dabei, wie sie betrunken aus einem Klub torkeln, weil sie – so erklären es ihnen ihre Arbeitgeber – Vorbildfunktion für Millionen von Heranwachsenden genießen, wird demnächst ein Straftäter das höchste Amt beim populärsten Klub des Landes bekleiden. Das ist, gelinde gesagt, ein bemerkenswerter Umstand.“ Noch bemerkenswerter findet Jürgen den Umstand, dass „Weltkonzerne wie Adidas, Allianz und Audi, die jeweils 8,3 Prozent der Anteile am FC Bayern halten“ an Hoeneß’ erneuter Kandidatur offenbar nichts auszusetzen haben. Das klingt alles ein bisschen verrückt, schließlich ist 11FREUNDE die Zeitschrift, die nicht müde wird, in jeder Ausgabe die völlige ökonomische Zurichtung des Fußballs zu beweinen. Von daher müsste Jürgens eigentlich sagen: Passt doch alles.

Das manager magazin weiß es besser… und verweist darauf, dass sich Ex-Kanzler Kohl bis heute weigert, die illegalen CDU-Parteispender zu nennen. Oder Bundestagspräsi Lammert, der sich der gerichtlichen Anordnung widersetzt, Abgeordnete zu nennen, die sich auf Kosten des Fiskus Edelkugelschreiber eingesackt haben. Als hätte er den Jürgens-Artikel gelesen, schreibt der manager magazin-Redakteur Burschardt: „Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter von Adidas und Audi. Das eine Unternehmen ist gewissermaßen der Erfinder des Schmierens von Sportfunktionären, das andere hat Millionen Kunden mit Abgasmanipulationen betrogen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist vorbestraft, weil er seine Luxusuhren nicht verzollt hatte, Verwaltungsrat Boris Becker erhielt eine Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung.“ Der Autor kommt zu dem Schluss, dass man, würde man an alle Funktionäre die gleichen Maßstäbe anlegen, wie an Hoeneß, „die Gremien des FC Bayern mit unschuldigen Neugeborenen“ besetzen müsse.“ Fußball und Gewinnstreben und Gewinnstreben und ein flexibler Umgang mit juristischen Hürden gehören – das wusste (zumindest den zweiten Teil des Satzes) schon Karl Marx – seit jeher zusammen wie Ball und Tornetz. Angesichts dieses realistischen und weniger moralingetränkten Bilds von der Struktur des deutschen Profifußballs (andere Vereine sind ja nicht besser) kann dem manager magazin zugestimmt werden: „Warum also sollte Hoeneß nicht wieder Präsident des FC Bayern werden dürfen?“ Bestenfalls treibt das nämlich irgendjemandem irgendwelche Illusionen aus.

* Tim Jürgens soll hier gar nicht so doof rüberkommen, wie er es in diesem Artikel tut. Er ist nämlich auch Mitglied einer sehr guten Band namens „Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen“, die auch sehr gute Lieder über Fußball machen.


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Leserbrief zu »Die Rückkehr des Königs«, UZ vom 19. August 2016





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