Herbert Schui gestorben

Marxisten verlieren einen Gespächspartner
Von Lucas Zeise
|    Ausgabe vom 19. August 2016

Herbert Schui, der Ökonom, Mitbegründer der Memo-Gruppe und der „WASG“ ist gestorben. Schui wurde 76 Jahre alt. Schui kam aus dem Rheinland, was man seiner Sprechweise anhörte. Er studierte in Köln und Konstanz, lernte viel dazu während der Studienaufenthalte in den USA, aber vor allem in Frankreich. Der französischen Form des Nachkriegskapitalismus, der „Planification“, widmete Schui seine Doktorarbeit und ließ sich auch in späten Jahren noch von Kultur, Sprache und dem republikanischen Geist des Nachbarlandes inspirieren.

Schui lehrte viele Jahrzehnte an der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP), einer der ganz wenigen Institutionen, wo Studenten nicht die neoklassische Volkswirtschaftslehre und die neoliberale und marktradikale Wirtschaftspolitik als einzige Wahrheit vorgesetzt wurde. Schui war nach seinen eigenen Worten Marxist und Keynesianer. Er erkannte in den Theorien des Bourgeois John Maynard Keynes deren revolutionären Gehalt, dass nämlich die Krisenhaftigkeit (und Endlichkeit) des Kapitalismus kein Unfall oder Fehler ist, sondern wesentlich zu dieser Produktionsweise gehört.

Mit dem 2009 gestorbenen Jörg Huffschmid gründete Schui 1975 die „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“, genannt Memo-Gruppe, die noch heute regelmäßig eine Alternative zur von den Herrschenden gewünschten Wirtschaftspolitik formuliert. Schui gehörte bis 2004 der SPD an und gründete mit anderen, zu denen auch einige seiner Schüler zählten, die WASG (Wahlalternative für Soziale Gerechtigkeit), die später mit der PDS zur Partei „Die Linke“ fusionierte. Schui war von 2005 bis 2010 Mitglied des Bundestags. Die Linkspartei beklagt mit Schuis Tod den eines „kritischen Kopfes und brillanten Wissenschaftlers“. Kommunisten und Marxisten verlieren einen Gesprächspartner, der wie sie Ökonomie im Interesse der arbeitenden Menschen betrieb.


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