Walter Vielhauer

Kommunist und Widerstandskämpfer, starb vor 30 Jahren
Von Helmut Woda
|    Ausgabe vom 22. Juli 2016

Walter Vielhauer

Walter Vielhauer

( Archivbild)

Walter wurde als Funktionär der KPD am 3. März 1933 zusammen mit Erich Leucht, Adolf Herrmann, Konrad Erb, Karl Biehler, Wilhelm Egerter, Karl Feidengruber, Hermann Schmidt, Otto Kirchner und Erich Ceffinato im Polizeigefängnis in der Heilbronner Wilhelmstraße eingesperrt. Mit etwa 60 weiteren Gefangenen wurde er ins KZ Heuberg verlegt, kam dann zwar frei, wurde aber im Rahmen des Auffliegens der Transportkolonne Otto (Widerstandsgruppe, die u. a. Zeitungen und Flugschriften schmuggelte) erneut verhaftet. Jahrelange Einzelhaft im Zuchthaus Ludwigsburg, und das KZ Dachau, das KZ Mauthausen und das KZ Buchenwald waren seine weiteren Stationen, bis er am 11. April 1945 die Befreiung des KZ Buchenwald miterleben konnte. Durch Folter während der Verhöre blieb seine linke Gesichtshälfte gelähmt. Im KZ Dachau und dem KZ Buchenwald gehörte er jeweils der illegalen internationalen Lagerleitung an.

Am 6. Juni 1945 war er in Stuttgart Referent auf der ersten öffentlichen Versammlung ehemaliger politischer Häftlinge im Staatstheater. Zurück in Heilbronn, setzte er sich für die Errichtung einer „Einheitsliste“ aus KPD und SPD ein, die von der SPD jedoch kurz vor den ersten Nachkriegs-Gemeinderatswahlen Anfang Mai 1946 endgültig abgelehnt wurde. 1946 wurde er für die KPD in den Gemeinderat gewählt und blieb über das KPD-Verbot hinaus bis 1958 Mitglied des Heilbronner Stadtrats.
Ein zweites Mal, dieses Mal unter Adenauer, musste Walter infolge des KPD-Verbots für 12 Jahre in die Illegalität. Am 5. Oktober 1968 wurde von 44 Genossinnen und Genossen der Landesausschuss der DKP für Baden-Württemberg gebildet, einer von ihnen ist Walter Vielhauer – bis zu seinem Tod einer der führenden und profiliertesten Genossen innerhalb der DKP. Insbesondere im Kampf gegen Neonazis sowie um Frieden und gegen den Krieg war Walter in vorderster Front.

Bis ins hohe Alter trat er bei unzähligen antifaschistischen Anlässen auf und bekräftigte den Schwur von Buchenwald. Nach seinem Tod fand sein Name Aufnahme in das Buch der Gerechten in Yad Vashem in Israel.

Walter Vielhauer hat einen Kampf geführt, den wir heute weiterführen: Gegen Ausbeutung, Imperialismus und Krieg, für Freiheit und soziale Gerechtigkeit für alle Menschen. Walter steht für die Menschen, die sich nicht haben brechen lassen, sich bis zuletzt gegen den Faschismus stellten. Er hat nur die Sache und nicht sich selbst – nicht wer er ist und warum er kämpft – in den Vordergrund gestellt. Walter ist ein Beispiel für das gemeinsame Aufstehen gegen rassistische Hetze auf allen Ebenen: Im Betrieb, auf der Straße, in den Parlamenten. Er hat die Losung „nie wieder Krieg“, „nie wieder Faschismus“ mit Leben gefüllt. Walter zu ehren heißt von seinem Leben und seinen Erfahrungen zu lernen.


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Leserbrief zu »Walter Vielhauer«, UZ vom 22. Juli 2016





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