Anleihe bei der „FAZ“

Auch Medaillen haben ihren Preis
Von Klaus Huhn
|    Ausgabe vom 8. Juli 2016

Schon um das Motiv der Tatsache zu erklären, warum die UZ ein fast endloses Zitat der „Frankfurter Allgemeinen“ druckt, bedarf es einer ausgiebigen Erklärung, weil doch wohl nur wenige UZ-Leser die FAZ abonniert haben dürften. Zur Sache: In der FAZ vom 2. Juli 2016 las man: „Hörmanns Stunde der Wahrheit – Jeder gegen jeden: Vier Wochen vor Rio kämpfen Sport und Staat um die Macht. Das erste Opfer scheint der Mann an der Spitze des DOSB zu werden. Heulen und Zähneknirschen war erwartet worden von der Reform des Spitzensports. Das sollte der Preis sein für Erfolge und Medaillen. Hauen und Stechen ist daraus geworden. Erfolglose Verbände und ihre heillose Organisation sollten wegrationalisiert werden zugunsten der Sieger.“
Erste Frage: Wer hatte mit „Heulen und Zähneknirschen“ an der Spitze des bundesdeutschen Sports gerechnet? Zweite Frage: Wer wollte „erfolglose Verbände … wegrationalisieren“? Dritte Frage: Was interessiert das die UZ-Leser?
Um zu begreifen, worum es ging, musste man wohl ein ständiger FAZ-Leser sein! Denn: Worum ging es überhaupt?
In der Bundesrepublik Deutschland ist man sich in die Haare geraten, ob man die Summen, die man jährlich für den Spitzensport ausgibt, nicht kürzen sollte, wollte das aber nicht in die Schlagzeilen geraten lassen.
Warum? Weil man einst der DDR vorgeworfen hatte, dass sie nur noch Sportarten förderte, die Medaillen versprechen, und unter denen wieder­um nur solche, die man der BRD abjagt, womit wiederum bewiesen werden sollte, dass man den Sport vornehmlich aus politischen Gründen förderte. Inzwischen gibt es keine DDR mehr und demzufolge kann man die Summen, die man dem Sport zukommen lässt, reduzieren.
Das wäre übertrieben? Lesen wir weiter in der FAZ: „Als Lohn sollten Glanz und Gloria für den straff organisierten Sport an der Spitze der Medaillenwertung winken. Geschrei und Gezeter ist daraus geworden – und womöglich ein großes Scheitern. Eine Woche bevor der Initiator der Reform, Innenminister Thomas de Maizière, den großen Wurf in Empfang nehmen sollte, hat die ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung‘ E-Mails veröffentlicht, in denen sich die starken Männer des deutschen Sports gegenseitig Unaufrichtigkeit, Illoyalität und Täuschung vorwerfen. Womöglich haben sie viel mehr gar nicht zu liefern. Das erste Opfer jedenfalls scheint der Mann an der Spitze zu werden: Alfons Hörmann, seit bald drei Jahren Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).“
Man muss dem UZ-Leser nicht erklären, dass sich hinter der Abkürzung DOSB die Vereinigung zwischen dem Olympischen Komitee und den Sport-Fachverbänden versteckt. Nur finanziert DOSB nicht den Sport, sondern der Innenminister und da die Aufgabe, die DDR zu überflügeln, längst Vergangenheit ist, meinte der Minister die Mittel für den Sport drastisch kürzen zu können. Das aber mochten die Sportverbände nicht und so entstand der Streit: Der Minister sah keine politische Notwendigkeit mehr, Unsummen für den Sport zu bewilligen und die Verbände waren anderer Meinung. Die FAZ hatte verraten: „Die Fachverbandspräsidenten hatte sich diskret an denjenigen gewandt, der zahlt und deshalb das Sagen hat: an den Sportchef im Innenministerium. Schließlich geht es um fünfzig von mehr als zweihundert Bundesstützpunkten; sie könnten geschlossen werden.“ Damit wussten alle: 50 Bundesleistungsstützpunkte sollten als erstes verriegelt werden! Selbst wer wenig Ahnung von Sport hat, begriff: Der Minister würde künftig weniger überweisen. Die FAZ: „Das Verhältnis zwischen DOSB und Ministerium ist auf Arbeitsebene zerrüttet, namentlich zwischen dem Vorstandsvorsitzendenden Vesper und Abteilungsleiter Böhm. Statt um Inhalte kämpfen Sport und Staat um Macht. Und nun verliert Hörmann die Contenance. Er beschuldigt den Sprecher der Fachverbände, Ruder-Präsident Kaidel, eine Opposition gegen die Reform und damit gegen ihn persönlich anzuführen. Wenn man den rüden Ton Hörmanns als bayerische Eigenheit durchgehen lassen wollte, müsste man auch das heimliche Treffen als Folklore der Verbandspolitik betrachten können. Doch für Hörmann ist dies keine Kleinigkeit. Er zerschlägt Porzellan wie ein Berserker. Die Neuordnung der Verantwortlichkeit, wie er sie fordert, könnte der Anfang vom Ende seiner Amtszeit sein.“
Nun ist auch im Bilde, wer nicht die FAZ liest …


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Leserbrief zu »Anleihe bei der „FAZ“«, UZ vom 8. Juli 2016





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