3 000 Besucher bei Grup Yorum in Gladbeck

DKP ermöglicht verbotenes Konzert
Von Olaf Matthes
|    Ausgabe vom 24. Juni 2016

Grup Yorum 
beim UZ-Pressefest

Samstag, 19.30
Hauptbühne

Am Samstag haben in Gladbeck über 3 000 BesucherInnen am Festival „Eine Stimme und ein Herz gegen Rassismus“ teilgenommen, bei dem auch die türkische „Grup Yorum“ auftrat. Staatsschutz und Stadtverwaltung hatten im Vorfeld versucht, das Konzert zu verhindern. Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Gladbeck hatte ermöglicht, dass das verbotene Konzert stattfinden konnte, indem sie eine Kundgebung anmeldete.

Ihsan Cibelik, der als „Grup Yorum“-Mitglied im französischen Exil lebt, dankte dafür „unseren Genossen von der DKP, die uns die ganze Zeit über unterstützt haben“. Die Gladbecker DKP hatte das Konzert mit vorbereitet, die Kreisvorsitzende Antje Potratz hatte die Kundgebung angemeldet. Im Vorfeld hatte ein türkischer Nationalist sie wegen ihrer Unterstützung für „Grup Yorum“ angegriffen und am Kopf verletzt. Der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele wertete es in seiner Rede beim Konzert als „Riesenerfolg“, dass das Konzert überhaupt stattfinden konnte.

Zu dem Festival reisten überwiegend türkische und türkischstämmige BesucherInnen an, Busse kamen unter anderen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Österreich. Der Auftritt von „Grup Yorum“ verzögerte sich, weil es zeitweise stark regnete und die Bühne wegen der Gefahr von Blitzeinschlägen nicht benutzt werden konnte.

Die Polizei hinderte 40 Rocker mit Kutten der türkisch-nationalistischen Gruppe „Osmanen“ daran, auf das Festivalgelände zu kommen. Sie kesselte die Gruppe ein, beschlagnahmte Schlagringe, Schlagstöcke und Messer und nahm einige der Rechten in Gewahrsam.

„Grup Yorum“ trat mit rund 30 Musikern auf: Mit Chor, Solosängern, traditionellen türkischen und modernen Instrumenten spielten sie eigene Stücke und interpretierten Lieder aus der revolutionären Tradition der Türkei. Die Musiker, die in Gladbeck auftraten, gehören nicht zur Stammbesetzung von Grup Yorum – die EU verweigert den „Grup-Yorum“-Mitgliedern die Einreise in den Schengen-Raum unter dem Vorwand, die als terroristisch bezeichnete Organisation DHKP-C zu unterstützen.

Damit hatten die deutschen Behörden auch im Vorfeld begründet, dass sie versuchten, das Konzert zu verhindern: Staatsschutz und Stadtverwaltung hatten die Alevitische Gemeinde, auf deren Gelände das Festival ursprünglich stattfinden sollte, unter Druck gesetzt. Stadtverwaltung und konservative türkische Gruppen hatten unter den Einwohnern und über die Medien die Angst verbreitet, dass von den Konzertteilnehmern und angeblichen Terrorunterstützern Gewalt ausgehen könnte.

Gegen das Konzertverbot protestierten Musiker und Aktivisten – auch der DKP – zwei Wochen lang vor dem Rathaus in Gladbeck. Patrik Köbele sagte in seiner Rede, die Art und Weise, wie die Behörden fortschrittliche Kultur in die Nähe des Terrorismus rücken, erinnere ihn an die RAF-Hysterie. Das Vorgehen gegen „Grup Yorum“ sei nicht nur Schikane gewesen. Es hänge damit zusammen, „dass die Bundesregierung Erdogan braucht, um die vom Imperialismus verursachte Fluchtbewegung vor den Grenzen der EU aufzuhalten“.

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