Nachruf

Von Lothar Geisler, Neue Impulse Verlag
|    Ausgabe vom 3. Juni 2016

Alfredo Bauer
(1924-2016)

Vor wenigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriger Freund, Genosse und Autor Alfredo Bauer bereits am 21. Mai im Alter von 91 Jahren in Buenos Aires gestorben ist. Seine Asche wurde auf eigenen Wunsch im Rio de la Plata verstreut.

In Lateinamerika war Alfredo Bauer als engagierter argentinischer Autor und Übersetzer u. a. der Werke von Heinrich Heine, Bert Brecht, Jura Soyfer geschätzt. In seinem Geburtsland Österreich wurde er lange Zeit ignoriert. Erst mit beinahe achtzig Jahren wurde er mit dem Theodor-Kramer-Preis ausgezeichnet.

Alfredo wurde 1924 in Wien geboren und musste 1938 im Alter von 15 Jahren wegen seiner jüdischen Herkunft mit seinen Eltern vor den Faschisten fliehen. In seiner neuen argentinischen Heimatstadt Buenos Aires beendet er die Schule, studierte Medizin und arbeitete bis zum 70. Geburtstag als praktizierender Frauenarzt. Jahrelang auch ehrenamtlich und unbezahlt an einem Krankenhaus. Er war stolz darauf, 6 000 kleinen Argentinier*innen beim Weg in die Welt geholfen zu haben, in eine Welt, die der große Menschenfreund und Kommunist Alfredo Bauer Zeit seines Lebens auch durch sein politisch-literarisches Engagement menschenfreundlicher machen wollte. Er kämpfte in und mit seiner argentinischen KP, veröffentlichte journalistische Arbeiten – auch für die bundesdeutsche Lateinamerika-Solidaritätsbewegung, Erzählungen, Essays, Romane und sexualpädagogische Sachbücher, teilweise unter Pseudonym.

Als wichtigstes nichtliterarisches Werk gilt seine 1971 erschienene marxistische Historia critica de los judíos (Kritische Geschichte der Juden, Essen 2007/2013), deren deutsche Fassung Alfredo Bauer dem Neue Impulse Verlag anvertraut hat, worauf wir stolz sind.

Wir trauern um einen großen Arzt, Autor und Kämpfer, auf dessen menschliche Wärme wir in den verbliebenen Kämpfen nun verzichten müssen.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Nachruf«, UZ vom 3. Juni 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.