Olympia 2016 ohne Russland?

Sotschi: 15 russische Olympiasieger angeblich mit einem „Special Drink“ aus Steroiden und Alkohol gedopt
Von Klaus Huhn
|    Ausgabe vom 20. Mai 2016
 (Foto: U.S. Army photo by Tim Hipps / wikimedia.org / public domain)
(Foto: U.S. Army photo by Tim Hipps / wikimedia.org / public domain)

Die Hamburger „Zeit“ gilt gemeinhin als seriös. Als die Nachricht kam, die „New York Times“ habe wieder mal Doping in Russland „enthüllt“, opferte sie diesen Ruf um mindestens einen halben Meter und schrieb: „Eine neue Geschichte aus dem Sport: (…) Es geht um Betrug, Vertuschung, Drogen. Der Geheimdienst ist beteiligt, zwei tote Zeugen gibt es auch schon. Der Sport kann in seinen Wettbewerben dramatische Geschichten schreiben, doch hinter den Kulissen geht’s manchmal noch spannender zu, wie in einem Krimi von Jerry Cotton.

Das ist kein Zufall. Die halbe Fifa-Bande, das weiß jedes Kind, sitzt im Knast. Vom IOC, dem Olympia-Syndikat aus Lausanne am schönen Genfer See, muss man auch nicht sehr viel besser denken. Klar, dass Wladimir Putin mit diesen Herren gut kann. Der starke Mann aus Moskau mit den geopolitischen Ambitionen hat sich vor gut einem Jahrzehnt dem Sport genähert, ihn sich zu eigen gemacht.

Putin und der Sport, das passt. (…) Wohin dieses logische und natürliche Bündnis den Sport führt, zeigt der jüngste Skandal. Bewahrheitet er sich, woran wenig Zweifel bestehen, hat es der Sport mit dem größten seiner Geschichte zu tun. Grigori Rod-
tschenkow hat einem amerikanischen Dokumentarfilmer und der New York Times erzählt, dass Urinproben von mindestens fünfzehn russischen Medaillengewinnern der Olympischen Spiele von Sotschi ausgetauscht worden seien. Und dass er sie zuvor mit einem Special Drink aus Steroiden und Alkohol gedopt habe. Rodtschenkow ist nicht irgendwer, er leitete das Moskauer Anti-Doping-Labor bis 2015. Er war oberster Doping-Kontrolleur Russlands. (…)

Noch sind es nur Indizien, doch er wolle Belege liefern, sagt er. Das IOC müsse nur die B-Proben öffnen, die in Lausanne lagern. Bestätigen sich seine Vorwürfe, könnten die Folgen für den Sport abgesehen vom Imageverlust immens sein. Nach Bekanntwerden des flächendeckenden Dopings, das die ARD vor anderthalb Jahren aufgedeckt hatte, ist die russische Leichtathletik ohnehin bereits für die Spiele von Rio suspendiert. Auch wenn viele Mächtige des Sports hinter den Kulissen viel tun, um die Sperre bis August aufzuheben.

Das dürfte ihnen nun schwerer fallen (…) Natürlich wird nicht nur in Russland gedopt, aber bestätigen sich Rodtschenkows Anschuldigungen, hätte man es mit einem Fall von jahrelangem, systematisch geplantem Staatsdoping zu tun.“

Das kennt man doch! Die DDR galt bisher als „Doping-Spitzenreiter“. Warum? Doch nur, weil sie zu oft die Bundesrepublik hinter sich gelassen hatte. Als Wissenschaftler begannen, sich für Doping in der BRD zu interessieren, machten sie erstaunliche Entdeckungen und die zuständigen Instanzen sorgten dafür, dass die Ergebnisse nicht an die Öffentlichkeit gelangten!

Nun also hat Putin gedopt. Dass der Chef des Doping-Labors bei den Winterspielen in Sotschi später in die USA reiste und jetzt dort „auspackte“, passte natürlich den Yankees, die in Sotschi hinter den Russen – 13 mal Gold –, Norwegern (11) und Kanada (10) mit neun Goldmedaillen nur Vierter geworden waren.

Dass sich die Bundesdeutschen sofort zu Wort meldeten, überrascht nicht …

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, setzte sich in „Bild“ für ein hartes Durchgreifen ein. „Wenn in Russland so systematisch gedopt wird, sollte die gesamte russische Mannschaft nicht bei Olympia in Rio starten“, sagte er. Immerhin hatte er gesagt: „Wenn“ …


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Leserbrief zu »Olympia 2016 ohne Russland?«, UZ vom 20. Mai 2016





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