Gemeinsam camp(f)en

600 Jugendliche bei den Pfingstcamps der SDAJ
Von jm
|    Ausgabe vom 20. Mai 2016

Unter dem Motto „Hoch den Arsch gegen Camouflage!“ versammelten sich im Waldbad Königsee in Thüringen etwa 130 Jugendliche. Politisch standen die Themen Antimilitarismus und Antifaschismus im Vordergrund. Gerade mit dem Aufstieg der AfD ist klar geworden, dass die antifaschistische Arbeit intensiviert werden muss. Ein Aufmarsch von Pegida mit mehreren tausend Teilnehmern ist viel schwieriger zu blockieren als ein kleines Häuflein NPD-Faschisten. Diskutiert wurde auch, wie man die gemeinsamen Interessen von migrantischen und deutschen Jugendlichen an allseitiger und umfassender Bildung ohne Selektion an ausreichend Ausbildungsplätzen oder günstigem Wohnraum besser verdeutlichen kann. Ganz praktisch zeigte sich der solidarische Umgang bei einem Fußballturnier, an dem sich Flüchtlinge beteiligten.

Das Zelt war bis auf den letzten Platz besetzt, als beim Nordcamp am Strand bei Kiel über Arbeitszeitverkürzung diskutiert wurde. „Das ist für uns Jugendliche eine enorm wichtige Auseinandersetzung“, so Florian Hainrich, Leiter der AG Betrieb und Gewerkschaft beim SDAJ-Bundesvorstand. „Während die einen immer länger und intensiver arbeiten sollen, finden die anderen keinen Job oder keine Ausbildung. Das heißt für uns, jegliche Perspektive fürs eigene Leben zu verlieren.“ Auch kulturell wurde den über 100 Dauergästen einiges geboten: Z. B. wurden Brechts Flüchtlingsgespräche in einer szenischen Lesung aufgeführt. Einige Mutige sollen auch ein kurzes Bad in der Ostsee genommen haben – trotz des kalten Wetters.

150 Besucherinnen und Besucher nutzten das Westcamp bei Münster, um „gemeinsam zu camp(f)en“, zu feiern und zu diskutieren. „Emma’s Dream“ und „The Cuckoo“ heizten dem Publikum beim Konzert am Samstagabend ordentlich ein. Blockadetraining, Fußballturnier und DJ Fred sorgten ebenfalls dafür, dass keine Langeweile aufkam. In informativen Diskussionsrunden mit Phillip Becher und Klaus Wagener zum Aufstieg der AfD bzw. dem Krieg in Syrien wurde ausgiebig nachgefragt und diskutiert. Deutlich wurde dabei auch, dass beides eng zusammenhängt: Die Kriege der NATO und der Bundeswehr in aller Welt sind die wichtigste Fluchtursache, denn niemand flieht freiwillig. „Das müssen wir in der ‚Flüchtlingsdebatte‘ nach vorne stellen und gleichzeitig skandalisieren, dass zwar 130 Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden, aber für die dringend notwendige Renovierung von Schulen kein Geld da ist und die Forderungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in der letzten Tarifrunde als völlig überzogen dargestellt werden“, so eine Teilnehmerin.

„Stop wars!“ war der Titel des Südcamps am Marbachstausee in Hessen. Workshops zu Rap, Tanz, Graffiti, Theater und Antirepressionsarbeit luden zum Mitmachen ein, „Spiky“, „Streem“, „GNZ“ und verschiedene DJ’s sorgten für das musikalische Programm für die über 230 Besucherinnen und Besucher. und bei der „Eis-See-Challenge“ ging der Landesverband Bayern als Sieger hervor. Sich gegenseitig argumentativ fit machen konnte man in Argumentationstrainings gegen Flüchtlingshetze und Bundeswehr in Schulen.

„Insgesamt sind wir mit der Beteiligung sehr zufrieden, wir hatten mit über 600 Teilnehmern deutlich mehr Gäste als bei den letzten regionalen Pfingstcamps,“ resümierte Lena Kreymann, stellvertretende Bundesvorsitzende das Wochenende. „Das wollen wir natürlich beim Pressefest der UZ vom 1. bis 3. Juli in Dortmund wiederholen, wo wir wieder einen eigenen Jugendbereich mit vielfältigem Programm organisieren werden.“


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Leserbrief zu »Gemeinsam camp(f)en«, UZ vom 20. Mai 2016





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