AKW sofort abschalten!

Hunderte beim Protest in Brokdorf
Von Heinz Stehr
|    Ausgabe vom 13. Mai 2016

Am 24. April 2016 fand die 4. Protest- und Kulturmeile vor dem AKW Brokdorf statt. Das Kernkraftwerk liegt nahe der Gemeinde Brokdorf im Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein.

Das Wetter – Schnee, Hagel und Regen – sorgte sicher für einige Abstriche bei der Beteiligung. Einige hundert Aktivisten hatten sich trotzdem eingefunden, um am 30. Jahrestag der Tschernobylkatastrophe die Forderungen nach der Abschaltung des AKW-Brokdorf und aller anderen Atomkraftwerke weltweit zu bekräftigen.

An Ständen verschiedener Initiativen, Bewegungen und Parteien gab es Informationen. Es wurde auch für Verpflegung gesorgt. Eine afrikanische Trommlergruppe aus Bremervörde machte Stimmung, bis die Kundgebung mit Beiträgen von RednerInnen begann.

Die sind seit Jahrzehnten in der Anti-AKW-Bewegung aktiv. So Karsten Hinrichsen aus der Bewegung vor Ort, Gisela Ludewig vom BBU, Ohle Eggers als Vertreter vom BUND Schleswig-Holstein, Wolfgang Ehm-ke aus Lüchow- Dannenberg und Fritz Storin aus Hamburg. Storin war bereits bei den ersten Aktionen in Brokdorf dabei, er wurde wegen seiner Aktivitäten verurteilt und eingesperrt. Gert Schinkel, Liedermacher – ursprünglich aus Glückstadt, heute in Köln lebend –, vermittelte mit seinen Liedern die Kultur des Widerstandes über die vergangenen Jahrzehnte.

In den Redebeiträgen wurde hervorgehoben, dass der Kampf letztendlich erfolgreich war, aber noch längst nicht zu Ende ist. Es bleibt die Notwendigkeit, die Abschaltung aller AKW auch weltweit durchzusetzen, denn in vielen Ländern der Welt gehen neue AKW ans Netz, zahlreiche werden zur Zeit geplant oder sind im Bau.

Die Auseinandersetzung müsse auch um die Forschungsreaktoren in Gronau und Lingen gehen, die nicht im Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung, alle AKW im Land bis 2022 abzuschalten, enthalten sind. Der Kampf gegen Atomwaffen und gegen die Willkür der Energiekonzerne muss weitergeführt werden.

Diskutiert wird in Teilen der Bewegung über Kampfformen. Einigen ist die Bewegung zu kraftlos und zu wenig kämpferisch. Jüngere Menschen sind zurzeit ungenügend an Aktivitäten und Aktionen beteiligt. Den Regierenden und den Energiekonzernen ist mit den politischen Entscheidungen zur Stilllegung aller AKW – zumindest zeitweilig – eine Beruhigung vieler Protestierer gelungen. Erste Überlegungen zur deren Reaktivierung knüpfen an jahrzehntelange Erfahrungen an, um erneut einen Aufschwung der Bewegung zu erreichen.

Die nächste große Aktion in Norddeutschland ist das Widerstandsfest am 13. Mai in Gorleben.


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Leserbrief zu »AKW sofort abschalten!«, UZ vom 13. Mai 2016





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