Was treibt Vereine in die Pleite?

Lange Liste auch im Handball
Von Klaus Huhn
|    Ausgabe vom 22. April 2016

Früher – wenn ich mich irren sollte, bitte ich um Nachsicht – ging es auch im Handball um Ab- oder Aufstieg. Das galt für Ost wie West. Aber seitdem wir in einem Deutschland leben, hat sich auch in dieser Sportart viel geändert. Neulich fiel mir durch Zufall eine aufschlussreiche Liste in die Hand. Die nämlich der Vereine, die Pleite gegangen waren. Ich wählte diesen ordinären Begriff, weil die Varianten der Konkurse vielfältig sind. Früher – siehe oben – sah man sein Ziel darin Meister zu werden oder nicht abzusteigen, heute suchen alle Sponsoren, die ihnen das Handballspiel durch Spenden aus irgendwelchem Gewinn finanzieren.
Also hier zunächst die Liste: Im Dezember 2000 konnte der Altmeister VfL Gummersbach die drohende Insolvenz abwenden, nachdem das Amtsgericht Köln sich eingeschaltet hatte und dem Plan eines Insolvenzverwalters zugestimmt hatte. Es ging also nicht um die erzielten Tore, sondern um das Konto des Vereins.
Im Mai 2001 beantragte der Bundesliga-Absteiger TuS Nettelstedt wegen Steuernachforderungen in Millionenhöhe die Insolvenz. Der Club übertrug die Bundesliga-Lizenz an die Nachfolge-Organisation TuS N-Lübbecke. Ich weiß nicht genau, wie das alles funktionierte, erfuhr aber auch nicht, wer die Millionen denn nun beglich. Im November 2001 war die renommierte SG Hameln Pleite gegangen. Der Verein war schon längst kein Verein mehr, sondern eine GmbH. Der fehlte über Nacht eine sechsstellige Summe. Hinzu kamen „Altlasten“ in Höhe von etwa 1,6 Millionen Mark. Da die meisten Gläubiger auf ihr Geld verzichten, konnte die Insolvenz abgewendet werden.
Im April 2003 hatte der Handball-Bundesligist Eisenach einen Insolvenzantrag gestellt. Man spielte weiter und dann betätigte sich das Amtsgericht Mühlhausen als Retter. Über Nacht war der Verein schuldenfrei.
Im Juli 2005 folgte die mit 1,4 Millionen Euro verschuldete SG Wallau/Massenheim. Die Liste nahm kein Ende: HSV Blau-Weiß Insel Usedom, SVK Salamander Stuttgart, TV Kornwestheim, HSG Nordhorn-Lingen – zweiter Absteiger aus der Bundesliga –, Stralsunder HV, DHC Rheinland.
Der nächste „Ausstieg“ lieferte Schlagzeilen. Ende Januar 2016 meldeten die Medien: „Ohne Geld und ohne Spieler hat sich der HSV Hamburg mitten in der Saison endgültig aus der Handball-Bundesliga verabschiedet. Insolvenzverwalter Gideon Böhm meldete am Montag den mit rund vier Millionen Euro verschuldeten Verein mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Eliteliga ab und beendete damit das seit mehr als 13 Jahren laufende Projekt Bundesliga-Handball in Hamburg.“
Was treibt die Mannschaften in die Pleite? Nicht zuletzt die „Gagen“ für die Spieler. Früher kamen die aus den Jugendmannschaften, heute sind die Manager längst in den Jugendmannschaften tätig, engagieren dort schon die Spieler und verkaufen sie dann an die großen Klubs. Ich fand ein klassisches Beispiel bei den Volleyballern. Der CV Mitteldeutschland in Spergau (Stadtteil von Leuna) spielt mit sieben Polen, einem Bosnier, einem US-Amerikaner, einem Niederländer, einem Italiener – und einem Deutschen. Was fehlt – so die Spergauer – sind Sponsoren …


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