Stopp Doel und Tihange!

Über eine Viertelmillion Unterschriften gegen den Neustart der Schrottreaktoren
Von Wolfgang Reinicke-Abel
|    Ausgabe vom 22. April 2016
 (Foto: UZ)
(Foto: UZ)

Unter reger Beteiligung der Lütticher Genossinnen und Genossen der Partei der Arbeit Belgiens (PvdA-PTB) startete am vergangenen Sonntag um 14 Uhr vor dem Bahnhof Liège-Guillemins eine Demonstration. Sie zog durch die Innenstadt von Lüttich bis zum Place St. Lambert. An der Abschlusskundgebung nahmen über 2 000 Menschen teil(1 600 nach Angaben der Polizei). Angesichts der Tatsache, dass zeitgleich in Brüssel zum landesweiten „Marsch gegen Terror und Hass“ aufgerufen worden war, eine beachtliche Anzahl. Mehr als fünf Jahre nach der Katastrophe von Fukushima forderten die Teilnehmer die Stilllegung der Reaktoren Tihange 2 und von Doel 3.
Leo Tubackx, Sprecher des belgischen „Atomstopp-Netzwerks“ sagte: „ Es ist unverantwortlich seit weit über 30 Jahren Reaktoren zu verwenden, die so nah an Großstädten wie Lüttich, Namur, Maastricht, Aachen (Tihange) oder Antwerpen (Doel) liegen!“
Demonstranten aus allen Nachbarländern waren gekommen, Deutsche, Niederländer und sogar Japaner befanden sich in den Reihen der Demonstranten. Eine der Teilnehmerinnen meinte: „Allein wegen Fukushima ist es wichtig, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen!“ „Die radioaktive Wolke macht nicht an Landesgrenzen halt!“, sagte ein Demonstrant. „Wir müssen endlich auf erneuerbare Energien setzen, als sich vermeintlich komfortabel mit der Kernkraft abzufinden.“, so eine andere Teilnehmerin.
Anlass zu großer Sorge geben nach wie vor Tausende von Haarrissen an den Reaktoren. Leo Tubackx fasste dies in der Formel zusammen: „Auch wenn nukleare Unfälle selten sind, die Auswirkungen sind so schwerwiegend, dass wir den Weiterbetrieb dieser Reaktoren nicht akzeptieren können.“
Die Entscheidung der belgischen Atomaufsicht (FANC), die Wiederinbetriebnahme der Rissereaktoren zu genehmigen, die über 20 Monate außerplanmäßig abgeschaltet waren, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im Verlauf mehrerer Monate hatte ein Netzwerk von Bürgerinitiativen in Belgien, Niederlande und Deutschland bis Anfang November über 65 000 Unterschriften gegen den Neustart gesammelt. Nach Veröffentlichung der FANC-Entscheidung am 17.11.2015 explodierte die Zahl der Unterzeichner auf mittlerweile über 265 000 bei der Online-Petition. Hinzu kommen über 20 000 Unterschriften, die über Listen auf Papier gesammelt wurden. Und täglich werden es mehr. Im Petitionstext lauten die Kernsätze: „Solange
H die Ursache der Risse in den beiden Reaktordruckbehältern (RDB) nicht zweifelsfrei geklärt ist und eine Veränderung der Rissgrößen im laufenden Betrieb nicht definitiv ausgeschlossen werden kann,
H die Bestrahlungsversuche befürchten lassen, dass die Versprödung des rissigen Stahls der RDB nach über 30 Betriebsjahren die zulässigen Grenzwerte bereits überschritten hat, kein Nachweis existiert, dass „Reaktoren mit Rissen“ ein gleiches Sicherheitsniveau wie „Reaktoren ohne Risse“ besitzen, dürfen Tihange 2 und Doel 3 – nicht wieder ans Netz.“


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Leserbrief zu »Stopp Doel und Tihange!«, UZ vom 22. April 2016





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