Zum Tod von Klaus Steiniger

Von Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP
|    Ausgabe vom 15. April 2016
Klaus Steininger auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz (Foto: Gabriele Senft)
Klaus Steininger auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz (Foto: Gabriele Senft)

Klaus Steiniger und ich lernten uns in einer Phase kennen, als die DKP einen wichtigen Schritt tat: Sie hielt 1990 daran fest, eine kommunistische Partei zu sein und begann daran zu arbeiten, diese Notwendigkeit auch auf dem Gebiet der annektierten DDR zu realisieren. Die Nachfolgerin der alten Schwesterpartei, der SED, wollte damit nichts mehr zu tun haben, was für meine Partei die Sache nicht einfacher machte.
Für Klaus war es eine Phase, in der er schmerzlich erkennen musste, dass er von seiner Partei, eben dieser vormaligen SED, verlassen worden war. Er engagierte sich für den Aufbau der DKP Berlin und im Gebiet der „neuen Bundesländer“. Weder die DKP noch Klaus ahnten wohl, dass dieser Prozess alles andere als geradlinig verlief. Die Trennung der früheren Schwestern DKP und SED verursachte Schmerzen im Politischen, klar, aber auch im Menschlichen. Die Kommunistinnen und Kommunisten hatten völlig unterschiedliche Biografien: hier diejenigen, die bis zu 40 Jahre am Aufbau des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden mitgewirkt hatten, dort diejenigen, die in derselben Zeit in einem der führenden imperialistischen Länder für das sozialistische Ziel kämpften.
Klaus begriff das zu Recht als eine große Chance. Er sprach von der „Möglichkeit einer Legierung der unterschiedlichen Erfahrungen“, einer Mischung zweier Elemente zu einem Metall, wie sie die kommunistische Weltbewegung brauchen werde und die im „neuen“ Deutschland Praxis sein müsse. Einfach? Keineswegs! Die Unterschiedlichkeit in der Geschichte produzierte natürlich auch andere Unterschiede, mit denen umzugehen die DKP so manche Schwierigkeit hatte und noch immer hat. Klaus hat einiges davon abbekommen. Vor allem, nachdem er das Werk seines letzten Lebensabschnitts, die „Tribüne für Sozialisten und Kommunisten“, die Monatszeitschrift Rotfuchs, gegründet hatte. Die Chancen, die sich damit auch für die DKP ergaben, wurden zeitweise übersehen. Die Kommunikation zwischen den Kommunistinnen und Kommunisten aus Ost und West war phasenweise zu selten. Klaus’ Helm bekam Beulen.
Er wäre aber nicht er selbst gewesen, wenn er sich von diesen Problemen hätte entmutigen lassen. Er entwickelte den Rotfuchs zu einem wahren Erfolgsprojekt mit Zehntausenden monatlichen Lesern. Parteilich, aber eben kein Parteiorgan. Der Rotfuchs ist heute in der Tat die größte marxistische Monatszeitschrift Deutschlands. Wir sprachen in den vergangenen Monaten oft darüber, dass er damit im besten Sinne des Wortes auch für unsere Partei wirkte. Er machte auch keinen Hehl aus seinem Stolz auf die DKP. Stolz, weil seine Partei in den letzten Jahren wieder zu der Klarheit zurückfand, die er für eine kommunistische Partei als unverzichtbar sah.
Der Tod von Klaus reißt eine riesige Lücke in unsere Reihen. Er wird uns fehlen: als Mensch, als Freund, als Kommunist. Unser Beileid gilt unserer Genossin Bruni, die wir umarmen und der wir alle Kraft der Welt wünschen.


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