Geschichte der Arbeiterbewegung

Bertram-Wieland-Archiv

|    Ausgabe vom 8. April 2016

Das Bertram-Wieland-Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. forscht und arbeitet zur Entwicklung der Arbeiterbewegung im Rheinland. Der junge Verein will die Überlieferung insbesondere der Organisationen links der (Mehrheits-)Sozialdemokratie erhalten und die Geschichte der arbeitenden Menschen, die für ihre Interessen kämpften, sichtbarer machen.
Der Verein mit Sitz im nordrhein-westfälischen Düren wurde im vergangenen Jahr gegründet. Vorangegangen waren Nachforschungen zur Geschichte der KPD im Dürener Raum. Initialzündung hierfür waren Interviews mit dem Zeitzeugen Barthel Rankers und die Feststellung, dass zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Region bislang kaum geforscht und publiziert wurde. Diese Erkenntnis trifft verschärft für die KPD und ihre Nebenorganisationen zu. Zugleich zeigte sich, dass in der Vergangenheit die Gelegenheit versäumt wurde, die „alten Genossinnen und Genossen“, die in der Weimarer Zeit, in der Illegalität der Nazi-Zeit und in der frühen Bundesrepublik aktiv waren, als Zeitzeugen zu befragen. So hätten lebendige Erzählungen über das Geschehen vor Ort und in der Region erhalten werden können.
Ausgehend von den ersten Recherchen wurde im August 2015 der Verein gegründet. Der Namenspate Bertram Wieland hat in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vielfältige Funktionen und Aufgaben in Parteien und Organisationen der Arbeiterbewegung wahrgenommen und das politische Geschehen im Dürener Raum mitgeprägt. In seinem politischen Lebensweg verdichten sich viele, auch tragische Momente der Entwicklung der Arbeiterbewegung wie das Scheitern der Novemberrevolution 1918/19, die Spaltung der Arbeiterparteien, der Terror der Nazis, Illegalität und Verfolgung bis hin zur physischen Vernichtung in den Konzentrationslagern. Wieland war zunächst in Gewerkschaften und der SPD aktiv und schloss sich um 1920/1921 der KPD an. Er starb im November 1944 in einem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.
Der Verein bearbeitet zurzeit erste konkrete Projekte, u. a. ist eine Publikation zum Schicksal von Arthur May in Vorbereitung. May (1902–1933) ist ein frühes Opfer der Nazi-Diktatur aus der Aachener Region. Der KPD-Funktionär und Redakteur der „Aachener Arbeiter-Zeitung“ wurde im Juni 1933 durch die SS aus einem Gefängnis in die „Gelbe Kaserne“ in Aachen verbracht und dort gefoltert. Von dort sollte May anschließend in die Jülicher Zitadelle überführt werden. Während des Transports wurde er in der Nähe von Bourheim angeblich „auf der Flucht“ erschossen. Die Veröffentlichung ist für den Sommer geplant. Weitere Publikationen zur Geschichte der arbeitenden Menschen im Rheinland sollen folgen.
Ein Kernanliegen des Vereins ist es, Unterlagen und Veröffentlichungen der Arbeiterbewegung zu sammeln und dauerhaft für die Nachwelt und historische Forschung zu erhalten. Gesucht werden insbesondere Veröffentlichungen von Organisationen der Arbeiterbewegung (sogenannte „Graue Literatur“ wie zum Beispiel Kleinzeitungen, Broschüren, Plakate etc.), organisationsinterne Akten sowie historische Fotografien. Thematisch stehen derzeit die KPD und ihre Nebenorganisationen (RGO, RFB, KJVD, Rote Hilfe), ihre Vorläufer (USPD, VKPD), die sogennanten „Abweichler“ wie KPO und Leninbund sowie Nachfolgeorganisationen (DKP, SDAJ) im Fokus. Aber auch zu linkssozialistischen Organisationen (etwa SAP) und den Gewerkschaften will der Verein Materialien sammlen. Auch an Leihgaben, die dann als Kopie oder Digitalisat in den Bestand des Bertram-Wieland-Archives übernommen werden können, ist der Verein interessiert.
Zurzeit hat der Verein einen thematischen und organisatorischen Schwerpunkt auf den Aachen-Dürener Raum. Um die Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen sind historisch interessierte Menschen auch aus anderen Regionen des Rheinlands eingeladen, Mitglied zu werden oder mitzuwirken.

Informationen zum Verein finden sich im Web unter www.bertram-wieland-archiv.de. Erreichbar ist das Archiv auch per E-Mail: kontakt@bertram-wieland-archiv.de


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Bertram-Wieland-Archiv«, UZ vom 8. April 2016





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.