Der Traum wirkt

Ein tollpatschiger Panda wird auserwählt
Von Friedhelm Vermeulen
|    Ausgabe vom 1. April 2016
 (Foto: DreamWorks Animation)
(Foto: DreamWorks Animation)

Derzeit haben Freunde des animierten Tierfilms an der Kinokasse zwei Optionen, ihr sauer verdientes Geld abzustoßen: Zoomania (der englische Titel ist besser: Zootopia) gilt als der sehenswertere Film, aber ich bin nun mal in Kung Fu Panda 3 gegangen. Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem die Filmemacher von Dreamworks und der WWF den Bambusbären zu ihrem Werbeträger ernannt haben: Er ist niedlich und gilt als friedlicher Zeitgenosse. Im Film wie für die Tierschutzorganisation spielt auch der Seltenheits„wert“ des Pandas eine Rolle, schließlich gibt es in der realen Welt nicht einmal mehr 2 000 seiner Art.

Die Zugehörigkeit zu den bedrohten Tierarten hilft auch der Filmgeschichte, zu deren Beginn der Pandaheld Po meint, der letzte seiner Art zu sein. Gefährdeter und damit glaubwürdiger als der Panda wäre allerdings der Schlitzrüssler, um nur ein Beispiel zu nennen. Der ist noch seltener, aufgrund seiner von giftigem Speichel umflossenen Fangzähne allerdings kein Sympathieträger.

Beim „daoistischen“ Panda lässt sich das „yin“ und „yang“ schon am Fell erkennen. Panda Po ist ein verfressener, fauler, friedfertiger und tollpatschiger Ziehsohn eines Nudelbudenbesitzers, der mit kindlicher Energie seine Umgebung nervt. In Teil 3 der „Kung-Fu-Panda“-Reihe ist er allerdings bereits zum – vom Schicksal erwählten – „Drachenkrieger“ geworden, der nun die Rolle des Kung-Fu-Lehrers einnehmen soll. Seine Fähigkeiten sind dabei nicht von Belang (er „kann“ es nicht), es geht um Schicksal, verkündet vom alten Meister Oogway, der die wahre „Bestimmung“ des Pandas trotz seiner Unbeholfenheit erkennt. Gerade bei Kindern scheint dieser „Plot“ beliebt: Ein tapsiges dickes Kind mit großen Träumen, dem niemand etwas zutraut, wird „auserwählt“ – das funktioniert übrigens auch bei Erwachsenen immer noch, sogar in der Politik.

Um noch ein paar Worte zur Story des jetzt in die Kinos gekommenen dritten Teils zu verlieren: Diesmal geht es um die Rettung des letzten Pandadorfes, eines vergessener Ortes, an den Po mit seinem biologischen Vater zurückkehrt, um das „Qi“ zu meistern. Sind die Figuren von Kung-Fu-Panda-Geschichten wie „Die Reise nach dem Westen“ entlehnt, so lehnt sich die Story des dritten Teils zum Ende hin an Filme an wie „Die drei Amigos“ (aus dem direkt zitiert wird), der sich wiederum auf die „Glorreichen Sieben“ bezieht, welcher wiederum eine schlichte Adaption des japanischen Klassikers „Die Sieben Samurai“ von 1954 ist. In der Dreamworks-Weltkultur vertragen sich eben auch Hollywood, japanische und chinesische Vorbilder, solange sie nicht zu ernst genommen werden.

Und, wie soll es anders sein, das Panda-Dorf entdeckt verloren geglaubte spirituelle Fähigkeiten im Kampf mit dem Bösen wieder, durch dörflichen und familiären Zusammenhalt und die Liebe zweier Väter – des Ziehvaters und des biologischen Vaters – zu ihrem Sohn.

Ach, na ja … bevor ich mir Kung Fu Panda 4 in VR schaue, fische ich vielleicht lieber die VHS mit „Tao Tao – Tiergeschichten aus aller Welt“ vom Dachboden.


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