Internationaler Frauentag 2016

Dort kämpfen wo das Leben ist
|    Ausgabe vom 18. März 2016
Köln (Foto: redpicture)
Köln (Foto: redpicture)

Hamburg
„Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“

1910 beantragte die hier zitierte Clara Zetkin zusammen mit anderen Frauen auf der sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen, in allen beteiligten Ländern einen Frauentag durchzuführen.

Seit 1922 findet dieser Internationale Frauentag am 8. März statt. Die DKP Hamburg hat in diesem Jahr schon am 6. März zu einer politischen Kulturveranstaltung eingeladen in der sie sich mit Frauen in Arbeitskämpfen beschäftigte. Inhaltlich ging es zum einen um die Situation von Arbeitsmigrantinnen, die in privaten Haushalten angestellt sind, zum zweiten wurde über die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern berichtet. Zum Einstieg wurde der Trailer des Dokumentarfilms „Dringend gesucht – Anerkennung nicht vorgesehen. Hausangestellte erstreiten sich ihre Rechte“ gezeigt. Der Film begleitet zwei Hausangestellte, die vor Gericht ziehen, um ihre Rechte gegenüber ihren Arbeitgebern einzuklagen. Und er zeigt AktivistInnen in Amsterdam, die öffentlich Anerkennung und Rechte einfordern und dafür die Organisation United Migrant Domestic Workers gegründet haben. Fast alle Mitglieder sind Hausangestellte ohne Papiere. Ein Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion um Arbeit in privaten Haushalten.

Wir hatten eine der Regisseurinnen zu Gast, die auf die Entstehung des Films einging.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es um die Situation in den Krankenhäusern. Kolleginnen aus dem Gesundheitsbereich berichteten aus ihrem Alltag und ihren Erfahrungen. Benachteiligt sind Frauen oft bei den Vertragslaufzeiten und sie leiden öfter unter Stellenstreichungen in den Krankenhäusern. Eine Kollegin schilderte sehr eindrucksvoll die Alltagshürden einer Schwangerschaft. Dass der Arbeitsdruck zu Entsolidarisierung führt, wurde auch hier bestätigt. Um so wichtiger ist es im Gesundheitswesen für mehr Personal zu kämpfen. Hervorgehoben wurde der Kampf der KollegInnen der Charité Berlin um Mindestpersonalbemessungen. Hier sind Ansätze zur Verbesserung unserer Lebensbedingungen, für die wir gemeinsam kämpfen müssen.

Abgerundet wurde dieser Sonntagnachmittag durch die manchmal nachdenklich und manchmal kämpferischen Lieder einer Sängerin, die sonst im Duo Sokugayu auftritt, an diesem Tag aber alleine mit ihrer Gitarre zu ihren Liedern spielte.

Norbert Noreik


Mörfelden-Walldorf
Am Sonntag gewählt – und am internationalen Frauentag auf der Straße.

Die neu gewählten Stadtverordneten der DKP/Linke Liste Mörfelden-Walldorf, verteilten rote Nelken und überbrachten Grüße zum Internationalen Frauentag. In vielen Kindereinrichtungen, den Rathäusern, zahlreichen Geschäften oder im Altenhilfezen­trum, schauten die Vertreter der DKP/LL vorbei. Es gab kurze Gespräche, Glückwünsche zum gestärkten Einzug ins Parlament, es wurde gelacht und etliche Frauen warteten schon auf den „roten Blumengruß“, denn seit Jahren ist es eine feste Institution, am 8. März sind die örtlichen Mitglieder der DKP/LL in der Stadt unterwegs.

Dietmar Treber


Essen
Wahrlich kein leichtes Thema, das der Essener Frauenarbeitskreis bei seiner diesjährigen Revue zum Internationalen Frauentag präsentierte. Es ging um die jahrhundertelange Verfolgung und Diskriminierung der Roma, angefangen vom Mittelalter, über die Vernichtung in Konzentrationslagern in der Zeit des Faschismus, bis zum heutigen Tag, wo mit der Erklärung der Balkanstaaten zu sicheren Herkunftsländern ein weiterer trauriger Höhepunkt der Verfolgung zu verzeichnen ist. Sie werden abgeschoben in Länder, in denen sie unter verheerenden Bedingungen zu überleben versuchen. Die Lebenserwartung einer Rom-Frau in Serbien liegt zwischen 48 und 58 Jahren.

Kann man zu diesem Thema eine Revue machen, nach der das Publikum nicht deprimiert, sondern kämpferisch und motiviert nach Hause geht und bei der sogar herzhaft gelacht werden darf? Den Essener Frauen ist das gelungen. Immer wieder wurde die Schwere des Themas gebrochen durch ironisierende Sketche und satirische Einlagen. Es wird sich lustig gemacht über den Spießbürger, der das Bild der „Schönen Zigeunerin“ über dem Sofa hängen hat ebenso wie über die Sängerin Alexandra, die in den 70er Jahren ihren „Zigeunerjungen“ anschmachtete – ein gutes Beispiel für den romantisierenden Antiziganismus. Sehr interessant ist auch das Referat über die Musik der Roma, ohne deren Einfluss es z. B. den andalusischen Flamenco, den jüdischen Klezmer oder den ungarischen Czardas so nicht geben würde.

Aber auch der Umgang mit Flüchtlingen im Allgemeinen wird in der Revue bissig thematisiert und beißend analysiert. So wird in einer „Heuchelshow“ aufgedeckt, wie unter dem Deckmantel von „Gleichberechtigung“, „Ahnungslosigkeit“ oder „Expertenmeinung“ seitens der Politik gelogen und geheuchelt wird, was das Zeug hält.

Es war ein hochinteressanter und informativer, aber auch unterhaltsamer und amüsanter Nachmittag, was die knapp 200 ZuschauerInnen mit begeistertem Beifall belohnten.

Barbara Kuprat


Pinneberg
„Frauenrechte und Asylrecht sind Menschenrechte … und nicht weniger!“, war das Veranstaltungsthema des DGB Kreisverbandes Pinneberg, des ver.di Bezirk Pinneberg – Steinburg, der IG Metall Unterelbe und des GEW Kreisverbandes Pinneberg.

Referentinnen waren Bettina Jürgensen aus Kiel, vom zentralen ver.di-Arbeitskreis „Offensiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus“, Aktivistin der Frauenbewegung und Dana Gora aus Wedel vom GEW-Landesausschuss „Migration, Diversität und Antidiskriminierung“.

Die kulturellen Beiträge kamen von Jane Zahn, Kabarettistin und Sängerin.

Bettina Jürgensen vermittelte historische Zusammenhänge zur Einführung des Internationalen Frauentages, zur anhaltenden Diskriminierung von Frauen, zu ihrer kämpferischen Rolle in Streikkämpfen und den Kampf gegen jede Form des Sexismus.

Dana Gora stellte die zahlreichen Herausforderungen, Schwierigkeiten aber auch Erfolge beim Erlernen der deutschen Sprache durch Flüchtlinge und Asylbewerber dar, auch mögliche Zukunftschancen. Zu ihrem Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Jane Zahn forderte Mitdenken bei ihren kritischen Texten, die vielfältige Probleme und Herausforderungen für Frauen beschrieben, aber auch befreiendes Lachen ermöglichten, wenn es um Verhalten, kluges Agieren bei manchen Episoden ging, die vielen im Saal nicht unbekannt waren. Ihre Lieder vermitteln aber auch Zuversicht, z. B. wenn es darum geht, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu bekämpfen.

Die Veranstaltung hatte ein politisch sehr anspruchsvolles Programm, die Besucherinnen und Besucher zeigten durch den Beifall, dass der DGB nach vielen Jahren Abstinenz von Frauentagsveranstaltungen einen guten Neustart organisiert hat.

Der DGB-Vorsitzende Peter Brandt dankte den Referentinnen und der Moderatorin mit roten Rosen, passend zum gemeinsam gesungenen Lied „Brot und Rosen“.

Die Anwesenden haben Mut zum Kämpfen getankt, das wird angesichts der politischen Herausforderungen gebraucht.

Heinz Stehr


Aktionen vor Berliner Krankenhäusern
„Schrittmacher“-Verteilung vor dem Haupttor des Virchow-Krankenhauses in Berlin Wedding: Die VerteilerInnen berichten, dass in eineinhalb Stunden alle Blumen und 600 Betriebszeitungen der DKP an die Frau gebracht wurden. Auch an anderen Toren und Standorten der Charité wurden Blumen und Zeitungen verteilt und zwar mit gutem Erfolg.


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Leserbrief zu »Internationaler Frauentag 2016«, UZ vom 18. März 2016





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