Trauer um Sowjetdiplomaten

Antoli Popow starb im Alter von 90 Jahren
Von Uwe Koopmann
|    Ausgabe vom 5. Februar 2016

Das Engagement für Frieden und Völkerverständigung, insbesondere zwischen der Sowjetunion/Russland und der Bundesrepublik Deutschland, prägte das Leben des Diplomaten Dr. Anatoli Popow. Jetzt starb er im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Moskau.

Die Verständigung zwischen den Völkern war für ihn keine diplomatische Floskel, sondern ein tiefes Anliegen, das er in vielen Konferenzen, Foren, Symposien und Begegnungen mit stetem Nachdruck zum Ausdruck brachte.

Seit 1974, dem Gründungsjahr der Deutsch-Russischen Gesellschaft Rhein-Ruhr (DRGRR), begleitete er diese Institution der „Volksdiplomatie“. Er trat in vielen Städten Nordrhein-Westfalens auf und trug durch seine fundierten Kenntnisse dazu bei, viele Vorurteile, Hass und Unverständnis abzubauen. Auch vielen Städtepartnerschaften hat er durch seine aktive Tätigkeit zum Entstehen und zum Erfolg verholfen. Ein weiterer Höhepunkt seines Engagements war die Unterstützung der deutsch-sowjetischen Kulturwochen, die in 26 Städten an Rhein und Ruhr durchgeführt wurden. Es konnte damit viel Eis zum Schmelzen gebracht und Verständnis für die jeweils andere Seite geweckt werden. Der „Russe“ bekam – der antikommunistischen Propaganda und den russophoben Feindbildern zum Trotz – ein neues, ein menschliches Gesicht. Der studierte Germanist hatte ein großes Herz für das Land der Dichter und Denker – und seine Arbeiterklasse.

Walborg Schröder, Ehrenvorsitzende der DRGRR, erinnert sich: „Wir mussten ihn nicht lange bitten, auf vielen Veranstaltungen unserer Deutsch-Russischen Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen mit den Menschen zu diskutieren oder Ausstellungen zu eröffnen. In der Zeit der Entspannung gab es auch viele beglückende Begegnungen zwischen Anatoli und den Menschen in unserem Land und es keimte die Hoffnung auf, die schreckliche Vergangenheit zwischen unseren Völkern zum Guten bewältigen zu können.“

Viele tiefe Erinnerungen verbindet auch der Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ mit dem geschichtsbewussten Friedensfreund. Wenn immer es möglich war, besuchte Popow, der 20 Jahre Mitglied dieser Organisation war, die jährlichen Gedenkfeiern auf diesem größten sowjetischen Soldatenfriedhof in Deutschland. Besonders am Herzen lag ihm das Schicksal der Überlebenden des ehemaligen Gefangenenlagers Stammlager VI (326 K Senne) für sowjetische Kriegsgefangene. Zum zurückliegenden Jahreswechsel schrieb Popow an den Arbeitskreis: „Lasst uns hoffen, dass der Arbeitskreis Erfolge in weiteren Einsätzen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern erreichen wird. Wir werden uns gemeinsam darum kümmern.“

Dieses Versprechen kann er nun nicht mehr einlösen. Aber er hat die „Saat des Friedens“ in vielen Gesprächen mit Jugendlichen und Schülern an die kommenden Generationen weitergegeben. Die sowjetische Regierung zeichnete ihn in den 80er Jahren mit dem „Orden der Völkerfreundschaft“ aus.

Der Arbeitskreis, die DRGRR und viele Freunde und Genossen kondolierten seiner Witwe Walentina und seiner Tochter Olga. „Die Nachricht von seinem Tode hat uns sehr betroffen und traurig gemacht. Wir werden im ein ehrendes Andenken bewahren“, schrieb Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“


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Leserbrief zu »Trauer um Sowjetdiplomaten«, UZ vom 5. Februar 2016





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