Lübecker erinnern an Anschlag

Von DKP Lübeck/Ostholstein
|    Ausgabe vom 22. Januar 2016
 (Foto: DKP Lübeck)
(Foto: DKP Lübeck)

Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages des bis heute ungesühnten feigen Brandanschlages auf das ehemalige Wohnheim in der Lübecker Hafenstraße hatte ein breites Bündnis zu der Demonstration am 16. 1. aufgerufen. Die Demo galt jedoch nicht nur der Erinnerung an die Katastrophe sondern sollte auch ein Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen in der gegenwärtigen Situation setzen.

Der Anschlag in der Lübecker Hafenstraße war der folgenschwerste rassistische Brandanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik: Vor genau 20 Jahren, am 18. Januar 1996, brannte die Asylunterkunft in der Lübecker Hafenstraße 52 komplett aus. Zehn Menschen, Geflüchtete aus dem Kongo, dem Libanon, aus Angola und Togo, starben in den Flammen. Unter den Toten waren sieben Kinder. Von den überlebenden Menschen wurden viele schwer verletzt und leiden bis heute an den Folgen.

Vier junge Männer aus der rechten Szene wurden nahe des Tatorts aufgegriffen, aber bald wieder freigelassen. Trotz dringender, bis heute ungeklärter Verdachtsmomente wie z. B. Brandspuren an ihren Haaren, wurden sie nie vor Gericht gestellt. Stattdessen legten sich Polizei und Staatsanwaltschaft auf einen Hausbewohner als Tatverdächtigen fest. Zwei aufwändig geführte Prozesse gegen ihn endeten jedoch beide Male mit einem klaren Freispruch. So bleibt bis heute der bittere Nachgeschmack, dass ein Opfer zum Täter gemacht werden sollte, während die mutmaßlichen faschistischen Brandstifter laufen gelassen wurden.

Nach dem Anschlag waren sich große Teile der Lübecker Bevölkerung und Politik einig: Die Überlebenden sollten ein gesichertes Bleiberecht in Deutschland erhalten, Geflüchtete sollten nicht länger in überfüllten Massenunterkünften bleiben müssen, sondern in Wohnungen als normale Nachbarn leben können. Rassistischer Stimmungsmache sollte deutlich und gemeinsam entgegen getreten werden.

Nach 20 Jahren zieht das Bündnis, dem u. a. das Netzwerk Flüchtlingssolidarität, das Bündnis „Wir können sie stoppen“, das Lübecker Flüchtlingsforum, Kirchen, Gewerkschaften, Attac, MLPD, die Interventionistische Linke, die Partei „Die Linke“, die SDAJ und die DKP angehören, ein negatives Fazit der Hoffnungen von damals: „Heute, 20 Jahre später, erinnert manches wieder an die Situation und Stimmung der frühen neunziger Jahre. Wieder gibt es unzählige Anschläge auf Asylunterkünfte, wieder marschieren Nazis und RassistInnen auf den Straßen, wieder erleben wir, wie tief der Rassismus in der Gesellschaft verankert ist und wieder gibt es große Teile der Politik, die „Verständnis für Sorgen und Ängste“ zeigen und unter diesem Vorwand das Recht auf Asyl weiter einschränken wollen.

Aber auch der Bogen zur aktuellen Lübecker Flüchtlingspolitik wurde geschlagen, in dem die Veranstalter die Abschiebepläne von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) verurteilten, welcher pauschal die Zahl von 1 000 möglichen Abschiebungen in Lübeck in die Welt setzte und den bankrotten Lübecker Kleinflughafen zum Drehkreuz für diese Abschiebungen etablieren wollte. Stattdessen fordert das Bündnis ein Bleiberecht für alle Schutzsuchenden und deren Unterbringung ausschließlich in kleinen, dezentralen Unterkünften.

Obwohl das Bündnis im Vorfeld mit einer größeren Teilnehmerzahl gerechnet hatte, so war doch niemand wirklich enttäuscht, da zeitgleich in Neumünster Nazis versucht hatten, die latent rassistische Stimmung im Land für ihre Zwecke zu missbrauchen. Auch hier hatte ein breites antifaschistisches Bündnis zu Gegenaktionen aufgerufen, denen mehr als 400 Antifaschistinnen und Antifaschisten gefolgt waren, welche die nicht mal 80 Faschisten auf dem Neumünsteraner Kantplatz einschlossen.


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Leserbrief zu »Lübecker erinnern an Anschlag«, UZ vom 22. Januar 2016





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