Industrie 4.0 und die Frauen

Flexibilisierung der Arbeit ist eine besondere Gefahr für Frauen
Von Barbara Kuprat
|    Ausgabe vom 25. Dezember 2015
 (Foto: Dickdavid/wikimedia.org/CC BY-SA 3.0)
(Foto: Dickdavid/wikimedia.org/CC BY-SA 3.0)

Auf Einladung der DKP-Frauenkommission trafen sich 14 Frauen in Altena, um sich einen Tag lang mit dem Thema „Industrie 4.0“ und deren besondere Bedeutung für Frauen zu beschäftigen. Den Einstieg ins Thema lieferte Tina Flügge mit einem Powerpoint-Vortrag, der Chancen und Risiken der Digitalisierung in Beruf und Gesellschaft darlegte und entsprechende Fragen aufwarf. Im Anschluss wurde in drei Arbeitsgruppen gearbeitet.

Die AG 1 beschäftigte sich mit der Frage: Was verstehen wir unter Produktivkraft/-entwicklung und welche Auswirkung von Industrie 4.0 sehen wir unter kapitalistischen Bedingungen? Neben der ausführlichen Begriffsanalyse kam die AG zu einem eindeutigen Ergebnis, welches kurz und provokativ heißt: Sozialismus oder Barbarei!

Eine besondere Gefahr für Frauen wurde in der Flexibilisierung der Arbeit gesehen, die auch Entgrenzung und unbezahlte Mehrarbeit bedeutet. Bevorzugt wird die Flexibilisierung von Frauen in Anspruch genommen, um nebenbei noch Haushalt und Kinder zu versorgen. Neben drohenden gesundheitlichen Problemen (Burn-Out) verfestigt dies das konservative Frauenbild. Auch die anstehenden Rationalisierungen im Dienstleistungssektor, also Krankenhäuser, Handel usw., betreffen vor allem Frauen.

In AG 2 wurde über die Frage diskutiert, welchen Nutzen Industrie 4.0 für die Menschen haben könnte und wo positive Auswirkungen gesehen werden könnten. Auch hier kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, dass nahezu jeder Aspekt unter kapitalistischen Bedingungen eine Verschlechterung für die Arbeiterklasse bedeutet. Lediglich die Möglichkeit, dem Abbau von Arbeitsplätzen mit einer Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu begegnen, konnte als positiver Gesichtspunkt angesehen werden. Eine Möglichkeit, die allerdings sehr schwer durchzusetzen sein wird und mit aller Kraft gefordert werden muss.

Als großes Problem wurde das Sammeln von Daten angesehen. Durch die digitale Verknüpfung wird eine Totalüberwachung ermöglicht, die alle Lebensbereiche erfasst und der Manipulation des Konsumverhaltens sowie einer umfassenden Kon­trolle der Menschen Tür und Tor öffnet.

Die AG kam zu dem Schluss, dass die Digitalisierung im Sozialismus durchaus eine Entwicklung zum Nutzen der Menschen bedeutet, in unserem Gesellschaftssystem allerdings ein weiteres Instrument zur Unterdrückung und Ausbeutung der Arbeiterklasse ist.

Die AG 3 überlegte, welche Handlungsmöglichkeiten wir sehen, wo wir Einfluss nehmen können und welche Bündnispartner/innen wir sehen. Es wurde die Notwendigkeit festgestellt, überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein zu schaffen und auf die Gefahren der zunehmenden Digitalisierung hinzuweisen. Es gibt eine Vielzahl von potentiellen Verbündeten, an erster Stelle natürlich die Gewerkschaften.

Im anschließenden Plenum wurde noch einmal übereinstimmend festgestellt, wie nötig es ist, endlich etwas in Bewegung zu bringen und wie wichtig der Kampf um Arbeitszeitverkürzung und Datenschutz ist. Der Frauenarbeitskreis wird sich weiter mit dem Thema beschäftigen.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Industrie 4.0 und die Frauen«, UZ vom 25. Dezember 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.