Meine progressive Woche

Vom 5. bis 11. Dezember
Von Adi Reiher
|    Ausgabe vom 18. Dezember 2015

Sonntag
In dem Film „Safe House“ wird Denzel Washington als Ex-CIA-Agent von aktuellen CIA-Agenten gefoltert – mit Waterboarding. Coo rät Washington schwerere Handtücher zum Abdecken seines Gesichtes zu verwenden. Das sei effektiver.

Zur Erinnerung: „Als Waterboarding wird eine Foltermethode des simulierten Ertränkens bezeichnet. Beim Opfer wird durch Ausnutzen des Würgereflexes physiologisch der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem durch ein Tuch über Mund und Nase, das ständig mit Wasser übergossen wird, der Atemwiderstand stark erhöht wird … Waterboarding gehört zu den Foltermethoden, die üblicherweise keine körperlichen Spuren hinterlassen (Weiße Folter), aber zu längerdauernden oder bleibenden psychischen Störungen führen können …“ (wikipedia)

Außer „Safe House“ hat sich der Autor zunächst zufällig, dann gezielt zwei weitere aktuelle „CIA-Thriller“ angesehen: „The November Man“ und „Erased“ (deutsch: „Die Logan-Verschwörung“). Story und Moral aller drei Filme sind bis zur Lächerlichkeit gleichförmig. CIA-Agenten jagen „Verräter“, die sich als die eigentlichen Wahrer von Freiheit und Demokratie erweisen. Beide Seiten haben nicht nur die Lizenz zum Töten, sondern machen von ihr ausgiebig und brutal Gebrauch. Am Ende steigt der rehabilitierte „Verräter“ frisch geduscht aus einem Meer von Blut, die Verantwortlichen sind tot oder werden bestraft. Die CIA ist gereinigt – und darf weiter morden.

Wie sagte Joseph Goebbels? „Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben.“

Mittwoch
Abu Bakr Al Bagdadi, selbst ernannter Kalif und Führer des Islamischen Staates, landete nur auf Platz zwei bei der Kür zur „Person des Jahres“, die von der Redaktion des US-Magazins Time jährlich durchgeführt wird. Wahrscheinlich auf Druck der CIA, die sich sorgte, dass der IS aus Begeisterung und Dankbarkeit die Feindseligkeiten gegen die USA einstellen könnte.

Genau diese kindliche Begeisterung und Dankbarkeit löste nun die Wahl von Frau Merkel im deutschen Blätterwald aus. Care-Pakete, Luckies und Hershey‘s wirken auch 70 Jahre nach dem Krieg eben immer noch nach.

Donnerstag
Ein Bericht der israelischen Sozialversicherung lässt aufhorchen. 31 Prozent der Kinder wachsen in Armut auf. Insgesamt gelten 22 Prozent der Israelis als arm. Nach der Untersuchung sind Familien, die ultraorthodox, also strengreligiös leben und besonders viele Kinder haben, am stärksten betroffen. Hier liegt die Armutsquote bei mehr als 50 Prozent, genauso wie bei der arabischen Minderheit der Palästinenser auf israelischem Staatsgebiet. Es fällt auf, dass die Gruppen der Ultra-Orthodoxen und der Palästinenser immer wieder genannt werden, wenn es zu angeblich ethnisch bedingten Konflikten kommt. Die soziale Frage spielt stattdessen wohl auch hier die entscheidende Rolle. In Israel herrscht die Bourgeoisie. Und zu deren Repertoire gehört überall und „von alters her“ das Prinzip „teile und herrsche“.

Freitag
Es ist die bleibende Schande (nicht nur) der letzten Bundesregierungen, dass in Afghanistan über 10 Jahre nach der imperialistischen Invasion immer noch Hunger herrscht. Die Unfähigkeit zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen, ist wohl einerseits ein strukturelles Problem der kapitalistischen Staaten. Es darf aber auch das Kalkül vermutet werden, dass der Hunger die Bauern zum vermehrten Opiumanbau zwingt. Und ohne den kann der CIA seine diversen Bürgerkriege kaum finanzieren.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Meine progressive Woche«, UZ vom 18. Dezember 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.