Olympia als Friedensfest

Ein Zwischenruf von Klaus Huhn
|    Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Zu denen, die gegen Olympia in Hamburg opponieren, gehört auch die DKP und ich bin überzeugt davon, dass alle, die sich daran beteiligen, guten Gewissens sind. Ich las in einer Flugschrift „Das Thema eignet sich für revolutionäre Politik aus zwei Gründen. Zum einen ist Olympia ein Projekt der Hamburger Eliten aus Wirtschaft und Politik, anhand dessen man den Charakter ihrer Stadtentwicklungspolitik anschaulich zeigen kann. Zum anderen wären die Olympischen Spiele auch eine Niederlage für die Mehrheit der lohnabhängigen Bevölkerung, weil sich ihre Probleme durch die Ausrichtung des Sport-Spektakels ökonomisch, politisch, rechtlich, ökologisch usw. verschärfen würden. Daher wäre ein Scheitern der Olympia-Bewerbung auch gleichzeitig ein konkreter Erfolg für die progressiven Kräfte und eben jene Mehrheit der Bevölkerung. Die Bewerbung des Senats und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erlaubt es, die Notwendigkeit einer revolutionären Überwindung der gesellschaftlichen Verhältnisse aufzuzeigen und konkret gegen die Verschärfung der Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse zu kämpfen.

Viele Hamburgerinnen und Hamburger sind aber für die Bewerbung, weil sie ein Sport-Großevent miterleben wollen und meinen, die Stadt würde davon profitieren. Der Hamburger Senat verspricht millionenstarke Einnahmen und neue Arbeitsplätze, neuen Wohnraum und eine Verbesserung der Infrastruktur. Klingt doch prima?

Ist aber Unsinn! Olympia ist rein finanziell gesehen ein Verlustgeschäft für die Stadt, das räumen die Verantwortlichen selbst ein. Sie prophezeien jedoch, dass ‚die Stadt‘ mittel- und langfristig von Olympia profitieren würde, und verschweigen dabei, an wen genau die erwarteten Extraprofite durch die verbesserte Position im Standortwettbewerb gehen werden – an die Lohnabhängigen nämlich nicht.

Ähnliches gilt für das Arbeitsplatzargument. Kurzfristig mag es einen Aufschwung geben. Aber überwiegend handelt es sich dann um schlechte, befristete Arbeitsplätze, die nach den Spielen wieder verschwinden werden. Ohnehin ist das Gerede von neuen Arbeitsplätzen ein Witz, wenn man bedenkt, was mit den Geldern, die für Olympia aufgebracht werden, für Arbeitsplätze etwa im sozialen Bereich geschaffen werden könnten.“

Dem Autor der folgenden Zeilen hätte man entgegenhalten können: „Es wäre klüger gewesen, wenn Du geschwiegen hättest“, hätte damit aber vielleicht nicht nur recht! Denn: Olympia ist nicht nur ein „Geld-raus-schmeiß-Ereignis“, sondern unleugbar auch ein Friedensfest! Als der Franzose Coubertin 1896 in Athen die ersten Olympischen Spiele arrangierte, erhielten die 21 deutschen Teilnehmer von der Deutschen Turnerschaft einen Verweis – weil Coubertin ein Franzose war! Und dieser Franzose schloss nach dem ersten Weltkrieg die ins Olympische Komitee gelangten deutschen Mitglieder – fast ausnahmslos Generale – aus. Da ihm – nach den olympischen Regeln – keine überzeugende Begründung für diesen Schritt einfiel, ließ er sie schlicht für tot erklären und niemand in der Welt opponierte dagegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen 1948 in London von den Spielen ausgeschlossen und auch das war ein deutlicher Schritt der Welt. Nun hätte also die Bundesrepublik die Chance, die Nazispiele 1936 und die unsägliche Katastrophe 1972 mit einer gelungenen Friedensdemonstration in Vergessenheit geraten zu lassen – und lehnt Olympia ab. Jedes vorgetragene Gegenargument ist stichhaltig, räumt aber nicht aus der Welt, dass OIympia ein Friedensfest ist! Sind Kommunisten neuerdings gegen Friedensfeste? Mir ist davon nichts bekannt.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut errechnete an Rüstungsausgaben für die Bundesrepublik allein für 2008 die Summe von 46,8 Milliarden Dollar und mit dieser Summe ließen sich mehr als einmal Olympische Spiele auch in Hamburg veranstalten.

Wohlgemerkt: Die Kritik an den Hamburger Projekten ist absolut berechtigt, weil es sich um Projekte handelt, an denen nicht das Friedensfest Olympia verdient, sondern irgendwelche Hamburger – oder auch „auswärtige“ – Unternehmer. Der Feldzug sollte sich gegen diejenigen richten, die sich mit Olympia an Olympia bereichern wollen und das sollten die Kommunisten allen sagen!


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Leserbrief zu »Olympia als Friedensfest«, UZ vom 4. Dezember 2015





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