„Wir brauchen einen intensiveren Austausch“

Auszug aus dem Redemanuskript des Betriebsaktivs Thüringen für den 21. Parteitag der DKP
|    Ausgabe vom 27. November 2015

Über die letzten Jahre kamen immer mehr betrieblich angebundene und gewerkschaftlich aktive GenossInnen und SympathisantInnen zu unserer Gruppe. Doch die Berichterstattung und der Austausch über die Arbeit im Betrieb stößt auf einem normalen Gruppenabend an Grenzen.

Während für die KollegInnen noch viel intensivere Diskussionen nötig wären, waren die Gespräche für die anderen GenossInnen schon zu detailliert.

Um trotzdem über ihre Erfahrungen und Probleme auf der Arbeit oder in der Gewerkschaftsgruppe zu beraten, haben wir uns entschlossen, aus der Partei-
gruppe Jena heraus ein Treffen der Betriebsaktiven zu organisieren.

Das Betriebsaktiv vereint ver.di-Kollegen aus der öffentlichen Verwaltung und IG Metaller aus Produktionsbetrieben und aus produktionsnahen Dienstleistern der Region. Diese sind zumeist im Betriebsrat oder im Vertrauenskörper aktiv.

Seit gut einem halben Jahr finden alle vier bis acht Wochen Treffen des Betriebsaktivs statt. Zu diesen Treffen werden neben den ParteigenossInnen auch Interessierte und Aktive aus dem gewerkschaftlichen Umfeld der Partei und der SDAJ eingeladen und organisiert. Der Kreis, der über Infoverteiler regelmäßig zu den Treffen eingeladen wird, erweitert sich stetig. (…)

Gewerkschaftsarbeit ist in Thüringen keine leichte Aufgabe, da wir es bis auf wenige Ausnahmen mit einem sehr niedrigen Organisationsgrad in den Betrieben zu tun haben. (…)

Wie durch den niedrigen Organisationsgrad deutlich wird, besteht bei den KollegInnen in Thüringen nur ein gering ausgeprägtes Bewusstsein ihrer Klassenlage. Deutlich zeichnet sich aber eine Veränderung ab. Während die sogenannten „Überlebenden der Neunziger Jahre“ von Angst und Resignation geprägt sind, zeigen jüngere KollegInnen oder Rückkehrer aus dem Westen eher die Bereitschaft zur Auseinandersetzung.

Teilweise gelingt es sogar aus einem gewissen „Klasseninstinkt“ heraus, mit den KollegInnen erfolgreiche Abwehrkämpfen zu führen. So wurde zum Beispiel die Werkö GmbH in Königsee wieder in den Flächentarif zurückgezwungen.

Für uns sind drei Punkte wichtig:

Erstens: Der Austausch zu konkreten betrieblichen Erfahrungen. Wir sind meist als Einzelkämpfer in den Betrieben aktiv. Der Austausch mit Genossen über unsere Probleme und kleinen Erfolge gibt uns Kraft und neue Ideen. Zum Beispiel, wie man unorganisierte KollegInnen zur Teilnahme am Warnstreik motiviert, oder wie wir die BILD aus dem Pausenraum durch gezieltes Fragen für unsere Agitation nutzen können.

Zweitens: Die gegenseitige Hilfe bei der Agitation und Organisation im Betrieb. Wir bemühen uns, in unseren Betrieben Gruppen aus Aktivisten zu bilden, um in die betrieblichen Diskussionen eingreifen zu können. Dazu tauschen wir uns im Betriebsaktiv über die konkreten Themen wie Probleme beim Arbeitsschutz, zu Arbeitszeitregelungen oder zur Tarifpolitik aus.

Drittens: Wie entwickeln wir eine gemeinsame kommunistische Strategie in meist passiven Belegschaften und sozialdemokratisch orientierten Gewerkschaften? Dazu diskutieren wir die Entwicklungen, die innerhalb der Gewerkschaften stattfinden. (…)

Wir stehen vor der schweren Aufgabe, die Gewerkschaften von unten wieder zu klassenkämpferischen Organisationen zu formen. Das ist nicht nur unser strategisches Ziel als Kommunisten. Das ist auch gleichzeitig das objektive Interesse der KollegInnen, die durch ständige Erfahrungen von Ohnmacht und Passivität stark verunsichert sind. (…)

Um diese Ziele zu erreichen, geben wir uns als Betriebsaktiv kleine, abrechenbare und überprüfbare Arbeitsaufträge. Da der Kreis derzeit stetig wächst, geht es vorrangig aber auch weiterhin ums Kennenlernen und darum, ein Gefühl für die Problem- und Arbeitslage der GenossInnen und Sympathisantinnen zu bekommen.

Die Parteimitglieder im Betriebsaktiv müssen langfristig die Arbeit des Betriebsaktiv vorplanen und vordiskutieren, um sie im Anschluss auf den Treffen mit dem Betriebsaktiv zu entwickeln. Die Entwicklung einer Strategie kann eine kleine Gruppe in Thüringen natürlich nicht alleine leisten. Hier sind wir als Partei gefragt. (…)

Der neue PV hat unter der Leitung von Patrik (Parteivorsitzender Patrik Köbele, Anmerkung der Redaktion) bereits erste Schritte in diese Richtung eingeleitet. Als Betriebsaktiv unterstützen wir diese Entwicklung. Wir begrüßen auch die Ziele des Leitantrags und der dazugehörigen Handlungsorientierung. An der Fokussierung unserer Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit müssen wir nach diesem Parteitag aber gemeinsam weiter arbeiten.

Wir brauchen noch bessere Debatten in der UZ, wir brauchen einen intensiveren Austausch über die Kommission Betrieb und Gewerkschaften, wir brauchen bessere politische Orientierungen für unsere Betriebsarbeit.

Wir wollen dabei mithelfen und darüber unsere Partei und die Arbeiterklasse insgesamt stärken.


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Leserbrief zu »„Wir brauchen einen intensiveren Austausch“«, UZ vom 27. November 2015





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