Ein Jubiläum der Widerspenstigkeit

25 Jahre isw – Institut für sozialökologische Wirtschaftsforschung
Von Sonja Schmid, stellvertretende Vorsitzende des isw
|    Ausgabe vom 27. November 2015

1990, als das isw seine Arbeit aufnahm, war für Linke wie für Rechte und auch für die sozialdemokratische „Mitte“ eine gewaltige Zäsur. Die Rechte sah mit dem Zusammenbruch des realen Sozialismus das „Ende der Geschichte“ als immerwährenden Triumphlauf des Kapitalismus heraufziehen, die „Mitte“ hoffte auf eine Wiederbelebung des goldenen sozialdemokratischen Zeitalters. Und die Linke? Verkroch sich zu einem guten Teil in die Ritzen des Privaten.

Doch wurden alle drei enttäuscht. Aus dem immerwährenden Triumph des Kapitals wird ein ständig heftiger durchgeschüttelter Krisen-Kapitalismus. Finanzkrisen folgen einander in immer kürzeren Abständen. Die Spaltung zwischen Reich und Arm reicht immer tiefer und die politischen Instanzen konzentrieren sich immer mehr auf die Realisierung der Ansprüche der Reichen.

Francis Fukuyama und viele mit ihm glaubten, dass mit dem Sieg des Kapitalismus das Ende der Geschichte erreicht ist. Glaubten das alle? Aber nein! In München zum Beispiel taten sich marxistische Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerInnen und GewerkschafterInnen zusammen, um gegen die vermeintliche Allmacht dieses Systems Widerstand zu leisten. Sie glauben an die Veränderbarkeit der Gesellschaft. Und dass der Mensch, der nichts anderes hat als seine eigene Arbeitskraft, das handelnde Subjekt dabei ist. Doch wer aufmüpfig sein will, der braucht Wissen. Und so gründeten sie das Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung: isw.

25 Jahre gibt es uns nun also schon. Jahre, in denen sich viel getan hat, in denen es große Protestbewegungen und gewerkschaftliche Aktionen gegeben hat. Jahre, in denen das isw immer an der Seite der Menschen gestanden ist, die die Verhältnisse verändern wollen. Verhältnisse, „in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen“ ist. Dabei hat das isw Fakten, Analysen und Argumente zur Verfügung gestellt, die das Problem an der Wurzel packen: am ungerechten, ausbeuterischem Wirtschaftssystem.

Nach einem Vierteljahrhundert Forschung, Publikation, Veranstaltungen und so vielem mehr, wollen wir nun mit allen – FörderInnen, AbonnentInnen und LeserInnen – feiern.
Und so laden wir ein, am Samstag, dem 28. November, ab 18.00 Uhr im Kulturhaus Neuperlach (München) mit uns gemeinsam anzustoßen, die Jahre Revue passieren zu lassen und gleichzeitig in die Zukunft zu blicken.

Auf dem Programm stehen kurze Reden von Frank Deppe (Politikwissenschaftler), Hubert Thiermeyer (ver.di Bayern, Leiter Fachbereich Handel) und natürlich Conrad Schuhler (Vorsitzender des isw). Für die musikalische Unterhaltung sorgen Michaela Dietl und Bernd Köhler.


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Leserbrief zu »Ein Jubiläum der Widerspenstigkeit«, UZ vom 27. November 2015





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