Räuchermännchen goes PEGIDA

Von Birgit Gärtner
|    Ausgabe vom 13. November 2015

Die berühmten erzgebirgischen Jahresendfiguren sind eine hochpolitische Angelegenheit. In Seiffen zumindest hat einer sozusagen dem Volk aufs Maul geschaut und die gewonnenen Erkenntnisse für das Weihnachtsgeschäft innovativ umgesetzt.
„Erzgebirgische Tradition mit neuen Ideen“ wird auf der Webseite www.volkskunst-seiffen.de feilgeboten. Dass neue Ideen nicht unbedingt originell sein müssen, beweist „Volkskünstler“ Gerd Hofmann mit seinem „Räuchermann klein Demonstrant“: die Figur hält wahlweise ein Pappschild mit der Aufschrift „Dresden zeigt wie’s geht“, „Wir sind das Volk“ oder schlicht „Dagegen“ in der Hand.
„Die Figur mit der Aufschrift ‚Dagegen!‘ gibt es schon länger“, erklärte Hofmann gegenüber der Dresdener Boulevard-Zeitung MOPO 24. „Seit zwei Monaten bieten wir auch Räuchermann-Demonstranten mit Slogans ‚Wir sind das Volk!‘ und ‚Dresden zeigt wie’s geht‘ an. Sie sind der absolute Renner …!“ Vor allem Bestellungen aus dem Raum Dresden und Chemnitz sorgen für volle Auftragsbücher – und lange Nächte: „Allein in der letzten Nacht saß ich bis 1 Uhr in meiner Werkstatt, um 50 neue Bestellungen abzuarbeiten.“
Damit keine Zweifel aufkommen, mit wem sich das Räuchermännchen solidarisiert – schließlich gehen in Dresden mitunter auch Tausende gegen PEGIDA auf die Straße: Wie MOPO 24 berichtet, macht der 44-jährige Kunsthandwerker keinen Hehl daraus, dass er mit PEGIDA sympathisiert.
Insgesamt bietet Hofmann den kleinen „besorgten Bürger“ mit acht verschiedenen Botschaften an. Neben den drei genannten noch „Merkel regiert gegen das Volk“, „Für saubere Luft im Erzgebirge“, „Politik ist eine Hure“, „Friedliche Flüchtlinge willkommen“. Neuerdings wurde auch noch „Keine Hetze gegen Flüchtlinge“ ins Programm aufgenommen. Vermutlich in der Hoffnung, den Kundenkreis zu erweitern.
Räuchermännchen sind neben Schwibbögen und Weihnachtspyramiden der Inbegriff erzgebirgischen Kunsthandwerks. Für die kleinen Holz-Pegidioten gilt allerdings: Nein, das ist keine Kunst. Das kann weg.


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Leserbrief zu »Räuchermännchen goes PEGIDA«, UZ vom 13. November 2015





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