Ein Fest für Leser und Schreiber

Das war die 20. Linke Literaturmesse
Von Michael Käser
|    Ausgabe vom 6. November 2015
 (Foto: Ballin)
(Foto: Ballin)

„So gut, wie jeder schreiben und lesen lernt, muss jeder schreiben und lesen dürfen“ hat vor vielen Jahrzehnten ein bärtiger Mann gesagt. Diesem Motto folgend wurde am vergangenen Wochenende die 20. Linke Literaturmesse begangen. Denn zum Lesen gab es auf dieser Messe en masse! So konnte jeder dem „Lesen dürfen“ zur Genüge eine Grundlage geben. Aber auch das „Schreiben dürfen“ konnte hier erlebt werden. Denn neben den zahlreichen Verlagserscheinungen fanden auch Selbstpublisher und Debütanten ein freudig lauschendes Publikum.

Annähernd vierzig verlegerisch Aktive aus dem linken Spektrum präsentierten ihre neuen Bücher. In 60 Veranstaltungen wurden viele davon vorgestellt und mit den Interessierten diskutiert. Darunter auch die Eröffnungsveranstaltung, in der sogar die Stehplätze restlos vergeben waren. Susann Witt-Stahl, Ulrich Schneider und Wolf Wetzel debattierten zum Auftakt über „Aufmärsche, Brandanschläge, Wahlerfolge“.

Am nächsten Tag stellte der Vorsitzende der Marx-Engels-Stiftung, Hermann Kopp, das ganz frisch erschienene Buch des Neuen Impulse Verlags „Revolutionäre Strategie in nicht revolutionären Zeiten“ von Willi Gerns vor. Offensichtlich machte die Vorstellung Lust auf mehr, denn in kürzester Zeit waren alle Exemplare vergriffen.

Nur wenig später konnte Olaf Matthes, seines Zeichens UZ-Redakteur, von seiner Delegationsfahrt in das vom Ausnahmezustand gezeichnete Cizre (Türkei) berichten. Von durch Scharfschützen zerstörten Bäckereien und der Solidarität der kurdischen Bevölkerung konnte er sich selbst ein Bild machen. Die lebendigen Schilderungen hinterließen sichtlich beeindruckte ZuhörerInnen.

Daneben erläuterten zwei Teilnehmer der Griechenland-Delegation der SDAJ ihre Einschätzungen zur Situation vor und während der Wahlen. Im voll besetzten Saal legten die jungen Referierenden ihre Einschätzungen zur KNE, KKE, MAS und PAME dar.

Viele andere Veranstaltungen, in denen kein Platz mehr zu finden war, begeisterten die Besucherinnen. Sabine Schiffer berichtete über Medienmanipulation, Volker Hermsdorf und Hans Modrow sprachen über Kuba, Walter Listl über Fluchtursachen und Helmut Kapfenberger über Vietnam.

Nun werden Sie sagen, alles schon Schnee von gestern. Richtig. Sie können dies nicht mehr nachträglich miterleben. Aber Sie können dies zumindest lesend nachholen. Andererseits können Sie aus diesem Missgeschick lernen. Am Besten zücken Sie schon jetzt ihren Kalender und tragen für das Wochenende 4. bis 6.11.2016 einmal fett „21. Linke Literaturmesse“ ein.

Denn diese Messe ist etwas Besonderes. Die Atmosphäre ist solidarisch bis, bei aller Kritik des Familismus (G. Notz), geradezu familiär. Eintrittsgelder werden nicht erhoben, so dass niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird. Im Gegenzug zeigen die BesucherInnen, wie sehr sie dieses Event schätzen, denn ohne deren Spenden wäre diese Messe nicht zu machen. Der eingangs erwähnte Bartträger kannte solch eine Messe noch nicht, ihm blieb daher nur übrig über den bürgerlichen Literaturbetrieb zu schimpfen:

„Ich dehne diesen Band [des Kapitals] mehr aus, da die deutschen Hunde den Wert der Bücher nach dem Kubikinhalt schätzen.“


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Leserbrief zu »Ein Fest für Leser und Schreiber«, UZ vom 6. November 2015





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