Berufsverbote

„Vergessene“ Geschichte der politischen Verfolgung in der Bundesrepublik Deutschland
|    Ausgabe vom 23. Oktober 2015

Diese „Vergessene“ Geschichte wird in einer Ausstellung der Niedersächsischen Initiative gegen Berufsverbote aufgearbeitet.

Ende der 1960er Jahre stellten sich westdeutsche Politiker, Juristen, Polizei und Geheimdienste die Frage, wie die Massenproteste an Universitäten und in Betrieben eingedämmt werden könnten.

Besonders fürchteten die staatlichen Organe, dass eine neue linke Studentengeneration in staatliche Strukturen einsickern und diese von innen verändern könnte. Eine 1971 eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe diskutierte Möglichkeiten, linke Kritiker aus dem Öffentlichen Dienst fernzuhalten. Die zu ergreifenden Maßnahmen sollten einschüchtern und abschrecken. Auf Grundlage dieser Vorarbeiten verabschiedete die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder am 28. Januar 1972 den so genannten Radikalenerlass.

Die Folgen: Etwa 3,5 Millionen Personen wurden politisch überprüft. Die Geheimdienste meldeten den Einstellungsbehörden zwischen 25 000 und 35 000 „verdächtige“ BewerberInnen. Mehr als 10 000 Berufsverbotsverfahren wurden eingeleitet, etwa 2 250 BewerberInnen nicht eingestellt und 256 BeamtInnen entlassen. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen.

In der Ausstellung wird das gesellschaftliche Klima der damaligen Zeit dargestellt, gleichzeitig aber auch auf die historischen Vorbilder und die Konsequenzen dieser Politik der Einschüchterung verwiesen.

Die Ausstellung ist bis zum 17. Dezember zu sehen
Veranstaltungszentrum Rotation ver.di-Höfe, Goseriede 10, 30159 Hannover
Montag bis Donnerstag: 9.00 – 16.00 Uhr
Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr
Zusätzliche Termine und Führungen durch die Ausstellung
können vereinbart werden unter: 0511 12 400 414. Weitere Infos:
www.bw-verdi.de/aktuelles/artikel-aus-den-regionen/ausstellung-vergessene-geschichte-berufsverbote.html

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Leserbrief zu »Berufsverbote«, UZ vom 23. Oktober 2015





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