Wir Frauen

Aufmachung des Kalenders ist altvertraut – der Inhalt bietet viel Neues
Von Barbara Kuprat
|    Ausgabe vom 9. Oktober 2015

Seit Jahrzehnten begleitet er mich treu und zuverlässig durchs Leben. Er ist intelligent, attraktiv, ein Frauenversteher und kaum gealtert. Zugegeben, es gab einige Seitensprünge meinerseits, doch ich bin immer wieder zu ihm zurückgekehrt, zum Taschenkalender „Wir Frauen“.

Die Ausgabe 2016 präsentiert sich in offensivem, leuchtendem Rot. Rot, so die Herausgeberinnen im Vorwort „als Ausdruck der Empörung: über das Sterbenlassen auf dem Mittelmeer, den Umgang mit Flüchtlingen und Migrant­Innen, über Femizide und Kriege…Rot, (als) die Farbe des Widerstands gegen Sexismus, Rassismus, Ausgrenzung und die Angriffe auf demokratische Grundrechte.“

Gestaltung und Aufmachung des Kalenders sind altvertraut, doch der Inhalt bietet wieder viel Neues. Wir alle wissen: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, aber wie ist das mit den starken Frauen? Wer steht hinter, bzw. neben ihnen? Der Kalender gibt Aufschluss: Es ist die Schwester! Auf 29 interessanten Seiten werden uns bekannte Frauen aus Politik und Kultur und ihre, oft weniger bekannten aber dennoch bemerkenswerten, Schwestern vorgestellt. So erfahren wir z. B. von Hélène de Beauvoir, der Schwester von Simone, die den „Verein für misshandelte Frauen“ gründete, oder den Schwestern von Sophie Scholl, die beide aktive Streiterinnen für den Frieden und gegen alte und neue Nazis waren und sind. Die Schwestern Bronte werden uns vorgestellt, die Töchter von Karl Marx, oder Alice und Silvia, die Töchter der jüdischen Kommunisten Peter und Ettie Gingold, die sich u. a. in der antifaschistischen Gruppe „Kinder des Widerstands“ engagieren. Viele der Frauen waren mir bis dahin unbekannt, es lohnt sich aber, sie kennenzulernen.

Interessant auch eine kleine Chronik der Frauenbewegung seit 1751, als die erste Frauen-Universitätsklinik mit Entbindungsstation gegründet wurde. In vielleicht etwas zu großen Sprüngen geht es bis ins Jahr 2011, in dem die Chronik abrupt endet. Wie das? Kam denn dann nichts mehr? Frauen, es ist ganz hohe Zeit, die Ärmel hochzukrempeln! Das Jahr 2016 sollte in jeder Frauenchronik erscheinen!

Wie gewohnt gibt es zwischen den Kalendertagen viele kleinere Artikel, Berichte und Biographien, die Denkanstöße geben, wie z. B. ein Artikel zur Reproduktionsmedizin, der sehr schön den Zusammenhang zwischen Familienpolitik und ökonomischen Interessen im Kapitalismus aufzeigt.

„Ein Frauenzimmer von gefährlicher Intelligenz“ (Sigmund Freud) wird uns vorgestellt, Lou Andreas-Salomé, eine außerordentlich bemerkenswerte Frau, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin und Frauenrechtlerin. Ich gestehe, ich kannte sie bislang nicht.

Fast jeder Tag des Kalenders ist ein besonderer, nämlich der Geburtstag einer bemerkenswerten Frau. Hat niemand Geburtstag, gibt’s einen Gedenktag, an den zu erinnern durchaus wichtig ist, wie an den Tag gegen die Todesstrafe, den Tag der Menschenrechte oder den Welttag gegen Kinderarbeit. Sogar der Internationale Keine-Hausarbeit-Tag mag die Eine oder Andere inspirieren ebenso wie der Internationale Anti-Diät-Tag. Und ganz wichtig: der Internationale Frauentag.

Also, an alle, die sich selber etwas Schönes und Nützliches schenken wollen, oder der Schwester, Mutter, Tochter, Tante, Freundin … Er ist da, der neue Kalender „Wir Frauen“.


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Leserbrief zu »Wir Frauen«, UZ vom 9. Oktober 2015





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