Starke Antifa in Hamburg

Nazi-Aufmarsch fand nicht statt
Von Mirko Knoche
|    Ausgabe vom 18. September 2015

Ein starkes Zeichen gegen rechts setzten am Samstag über 20 000 Hamburger. Sie demonstrierten gegen einen geplanten Naziaufmarsch unter dem Motto „Tag der deutschen Patrioten“. Den hatte die Polizei bereits verboten, alle Gerichte bis hinauf nach Karlsruhe bestätigten die Entscheidung, er fand nicht statt. Etwa 14 000 Antifaschisten folgten am Samstag dem Aufruf des „Hamburger Bündnis gegen Rechts“, versammelten sich am Hauptbahnhof und zogen durch die Innenstadt. Über 630 Organisationen hatten sich dem Aufruf angeschlossen. Weitere 7 500 Menschen kamen zum Rathausmarkt, wo Bürgermeister Olaf Scholz und weitere Politiker sprachen. Auch die Kirchen und der DGB hatten kurzfristig zum Rathaus mobilisiert.

Am Hauptbahnhof eskalierte die Lage, als Antifaschisten am Vormittag einen Zug mit Neonazis ausmachten und mit Steinen bewarfen. Die Polizei stürmte das Gleis und nahm einige Demonstranten fest. Als später ein zweiter Zug mit Faschisten an Bord den Bahnhof erreichte, kehrte ein Großteil der Demonstranten zum Hauptbahnhof zurück und näherte sich den Gleisen. Daraufhin begannen Polizisten, das Gebäude zu räumen. Für mehrere Stunden war der Fern- und S-Bahnverkehr vollständig eingestellt. Erst als die Polizei 34 Rechtsradikale in einer S-Bahn abtransportierte, beruhigte sich die Lage. Der Bahnverkehr wurde am Nachmittag wieder aufgenommen und die Kundgebung des Bündnis gegen Rechts vom Anmelder aufgelöst. Die Veranstalter werteten das Verbot des Naziaufmarschs als Erfolg ihrer breiten Mobilisierung, die ein Blockadekonzept beinhaltet hatte.

Zu Auseinandersetzungen kam es auch in Bremen, wohin die Neofaschisten als Alternative zu Hamburg mobilisiert hatten. Die Polizei verbot alle Veranstaltungen und kesselte 100 Neofaschisten ein. Zudem löste sie den Wochenmarkt auf, weil die Rechten Twitter-Meldungen zufolge bereits auf konfliktbereite Antifas gestoßen waren.

Am Abend schließlich riefen Antifaschisten zu einer Spontandemo im Hamburger Schanzenviertel auf. Rund 500 Demonstranten lieferten sich eine Straßenschlacht mit der Polizei. Dabei wurde ein älterer Mann schwer verletzt und lag zunächst bewusstlos auf der Straße. Nach Medienangaben hatten ihn Polizisten niedergestoßen. Den Meldungen zufolge hatte er außerdem einen Zuckerschock erlitten. Am späten Abend kehrte auch im Schanzenviertel wieder Ruhe ein.


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