Kein Übergangsphänomen

Eine Analyse der AfD
Von Stefan Godau
|    Ausgabe vom 24. Juli 2015

Sebastian Friedrich
Der Aufstieg der AfD – neokonservative Mobilmachung in Deutschland.
bertz + fischer verlag, 112 Seiten, 7,90 Euro

Sebastian Friedrich hat sein Buch Ende 2014 geschrieben, deswegen konnten die kommenden Entwicklungen (Parteispaltung etc.) nicht genau beschrieben werden. Allerdings beschreibt er genau die Entwicklung, die im letzten Jahr passiert ist: Die fortschreitende Rechtsentwicklung der AfD von einem Bündnis aus „National-Neoliberalen“, Rechtskonservativen, „FamilienschützerInnen“ (v. a. repräsentiert durch Beatrix von Storch und ihre „zivile Koalition“ hin zur Öffnung nach rechts hin zu WutbürgerInnen, neuen Rechten und Völkischen.Er straft dabei den vor allem durch die Presse verbreiten Mythos Lügen, Lucke und Henkel verträten die „anständigen“ Wirtschaftsliberalen gegen die Nationalkonservativen um Petry, Höcke und Gauland. Detailliert weist Friedrich nach, dass Lucke schon nach dem verpassten Einzug in den Bundestag den Islam „kritisiert“ hat und sich auch negativ zu Homosexualität geäußert hat. Als aktivistisches „Fußvolk“ waren Lucke & Co. FaschistInnen und RechtspopulistInnen nämlich sehr recht; als Petry und Co. nach dem Einzug in die Landtage von Sachsen,Thüringen und Brandenburg jedoch mehr Einfluss geltend machten, störten sie Lucke. Auch äußerte dieser anfangs durchaus Verständnis für PEDIGA (à la „Wir müssen diese Menschen ernst nehmen“), auch wenn er das heute anders darstellt.

Zum Ende seiner Schrift vergleicht Friedrich die Entwicklung der AfD mit dem (Wieder-)aufstieg der Republikaner in den USA. Eine interessante, diskussionswürdige Parallele. Schließlich ist es diesen gelungen, „Neocons“, Evangelikale und andere in einer konservativen Sammlungsbewegung zu vereinen und unter Reagan und Bush wieder ins Weiße Haus einzuziehen. Ob der AfD dies in Deutschland auch gelingt, bleibt fraglich; auch, da es Lucke, Henkel & Co. ja nun nicht gelungen ist, die verschieden Flügel in der Partei (deren Unterschiede nicht politischer, sondern taktischer Natur sind) zu vereinen. Wie es auch immer mit der AfD und dem „Weckruf“ weitergeht: Ein Potential für eine „rechtskonservative Sammlungsbewegung gibt es in der BRD auf jeden Fall. Gerade angesichts der zunehmenden rassistischen Hetze gegen Flüchtlinge gilt es, für die Linke wachsam zu bleiben. Friedrichs Büchlein liefert hierzu wichtiges Hintergrundwissen.

Sebastian Friedrich
Der Aufstieg der AfD – neokonservative Mobilmachung in Deutschland.
bertz + fischer verlag, 112 Seiten, 7,90 Euro


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Kein Übergangsphänomen«, UZ vom 24. Juli 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.