Georg Frentzel

Auf der Spur eines Kriegsverbrechers
Von Günter Wehner
|    Ausgabe vom 17. Juli 2015

Siegfried Grundmann: Georg Frentzel. PG und Angehöriger der SS-Einsatzgruppe B in der UdSSR – Genosse und Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Nora Verlagsgemeinschaft (2015), 161 S.; 
ISBN 978–386557-376–6

Erneut begab sich Prof. Dr. Siegfried Grundmann auf die Spur, einen Kriegsverbrecher zu entlarven. Er schildert knapp und präzise seinen Weg zum Thema „Frentzel“.

Das Enttarnen des Täters Frentzel entsprang einem Zufall, nämlich dem Rechtshilfeersuchen des Landgerichts Freiburg an die Ostberliner Zentralstelle für die Bearbeitung von faschistischen Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft von Freiburg wandte sich auf Bitte des Landesstabes der Polizei Israel/TelAviv um Hilfe bei der Aufklärung über Kriegsverbrechen im polnischen Kreis Mielec. Georg Frentzel stand bei dem Rechtshilfeersuchen nicht im Mittelpunkt eines Ermittlungsverfahrens, sondern es ging um den untergetauchten Kriegsverbrecher Rudolf Zimmermann, der am 27.7.1968 vom Strafsenat des Stadtgerichts von Groß-Berlin zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt wurde.

Siegfried Grundmann schildert am Vorgang Zimmermann akribisch, wie er auf seinen Komplizen, wie er auf Frenzel stieß. Außerordentlich faktenreich skizziert der Autor die mühselige „Identifizierung“ des Frentzel durch die zuständigen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS). Die Leserinnen und Leser erfahren, mit welch aufwändigen Methoden herangegangen wurde, um hieb- und stichfeste Fakten über die Teilnahme Frentzels an den barbarischen Verbrechen der SS-Einsatzgruppe B in der Sowjetunion zu ermitteln. Anhand schriftlicher Zeugnisse der Dresdner Gestapo aus der Personalakte Frentzel nebst Fotos von ihm gelang es, ein lückenloses Beweismaterial zu erstellen, das zur Verhaftung Frentzels am 8.8.1969 führte.

Der Autor konstatiert, dass von der erfolgten Festnahme bis zur Anklage, als Angehöriger der Einsatzgruppe B auf dem zeitweilig besetzen Gebiet der UdSSR am Terror gegen sowjetische Bürger mitgewirkt zu haben, ein langer Weg zu durchlaufen war.

Zu Recht betont Siegfried Grundmann in der vorliegenden Publikation die enge Zusammenarbeit zwischen dem MfS und dem Narodny Kommissariat Wnutrennich Del (NKWD) bei der Aufklärung der Verbrechen Frentzels.

Mit einer Fülle von Dokumenten und Fotoaufnahmen, letztere aufgenommen von 
Frentzel, ermöglicht der Autor, dass die Nutzer des Buches nachlesen können, wie der Angeklagte mitwirkte an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion. Auf Grund der akribisch recherchierten Fakten wurde Frentzel zu Recht mit lebenslanger Haft bestraft.

Zur authentischen Charakterisierung des Frentzel entschloss sich Siegfried Grundmann zur „Ich-Form“. Er lässt unter der Überschrift „Ich, Georg Frentzel“ denselben über seine unmenschlichen Schandtaten berichten. In diesem Kapitel tritt die Erbärmlichkeit des Verbrechers durch seine eigenen Worte zu Tage. Er gibt einerseits zu, ein absoluter Anhänger der NS-Ideologie gewesen zu sein, aber gleichzeitig rechtfertigt er sich damit, dass er nur ein unbedeutendes Rädchen in der SS-Einsatzgruppe B war. Er schildert umfassend seinen Weg zum Kriegsverbrecher, der erbarmungslos eigenhändig mordet. Man erfährt durch ihn auch, wie er 1945 bemüht war, alle Beweise seines schändlichen Wirkens zu verwischen, und wie es ihm gelang, sich zu einem geachteten Bürger in der DDR zu entwickeln.

In seinem umfangreichen Nachwort geht Grundmann auf die Besonderheiten am Fall Frentzel ein. Der Autor erläutert auch, dass der Verurteilte kein geborener Mörder war, sondern sich durch die von ihm aufgenommene Nazi-Ideologie zum Kriegsverbrecher entwickelte, der nach Kriegsende ohne Reue weiterlebte.

Siegfried Grundmann hebt im Nachwort hervor, dass die vorliegende Publikation den Opfern des SS-Einsatzkommandos gewidmet sei, die zugleich auch zur Mahnung dienen soll, nie wieder solche Kriegsverbrechen zuzulassen.

Siegfried Grundmann: Georg Frentzel. PG und Angehöriger der SS-Einsatzgruppe B in der UdSSR – Genosse und Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Nora Verlagsgemeinschaft (2015), 161 S.; 
ISBN 978–386557-376–6


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Georg Frentzel«, UZ vom 17. Juli 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.