Unser Volk wird gewiss siegen

30 Jahre Vietnam-Kriege im Rückblick
Von Stefan Kühner
|    Ausgabe vom 17. Juli 2015
Vietnam: Soldaten einer Raketen-Batterie (Foto: public domain)
Vietnam: Soldaten einer Raketen-Batterie (Foto: public domain)

Ist 40 Jahre nach dem Ende der letzten Vietnamkriege nicht durch Dutzende Historiker schon alles über diese Kriege geschrieben beziehungsweise in Fernsehdokumentationen und Spielfilmen aufgezeigt worden?

Nun, Helmut Kapfenberger ist kein Historiker, sondern ein gründlich recherchierender Journalist – allerdings keiner von denen, die sich so gerne „neutral“ nennen. Er ist parteiisch und macht sich, wie er in einem Epilog selbst schreibt, „mit der Sache Vietnams gemein“. Das hat einen Grund. Helmut Kapfenberger war Korrespondent des Nachrichtendienstes der DDR und wurde 1970 nach Vietnam geschickt. Gemeint ist die DRV (= Demokratische Republik Vietnam, im Westen als Nordvietnam bezeichnet). Gleich bei seinem ersten Einsatz kam er in die Stadt Vinh und fand „eine Trümmerwüste, die an den Anblick Hiroshimas erinnerte. Wie hätten mich von B-52 Bombern plattgewalzte Dörfer, zertrümmerte Krankenhäuser und Schulen ‚kalt’ lassen sollen“, fragt er.

Helmut Kapfenberger
Unser Volk wird gewiss siegen
Verlag Wiljo Heinen
Berlin und Böklund, 2015
ISBN 978–3-95514–021-2
16,- Euro

Das Buch umfasst drei Hauptteile. Der Befreiungskampf gegen die französischen Kolonialisten von Anfang des 20. Jahrhundert bis 1954, die Schlacht von Dien Bien Phu, das Genfer Abkommen von 1954 und dann natürlich derKampf gegen die imperialistischen USA.

Zwei Aspekte hebt Kapfenberger im ersten Teil hervor. Erstens: der Sieg von Dien Bien Phu war nur möglich durch die ungemein große Bereitschaft der Bevölkerung diesen Kampf zu unterstützen, indem z. B. Zehntausende als Lastenträger die Logistik der Kämpfenden auf ihren eigenen Schultern bewerkstelligten. Der zweite Aspekt ist hierzulande ziemlich unbekannt. Die letzten Jahre dieses Kolonialkrieges waren eigentlich ein französisch-amerikanischer Krieg. Das Geld und die Waffen kamen zum allergrößten Teil aus den USA. Lediglich die Bodentruppen kamen aus Frankreich oder über die Fremdenlegionen – mit bis zu 80 Prozent Deutschen.

Ausführlich befasst sich Kapfenberger mit dem Genfer Abkommen. Er ordnet es ein in die imperiale Weltpolitik dieser Zeit und belegt, dass die USA dieses Abkommen nie anerkannt haben und auch nie wollten, dass die im Abkommen vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen durchgeführt werden. Die USA sabotierten von vornherein eine anhaltende Friedenslösung für Vietnam und installierten im Süden ihren Günstling Ngo Dinh Diem, um letztendlich ihr direktes Eingreifen in Vietnam vorzubereiten.

Der „amerikanische Krieg“ wird vielen Lesern der UZ noch in eigener Erinnerung sein. Helmut Kapfenberger befasst sich in diesem Teil nicht in erster Linie mit den Gräueltaten der US-Soldaten in Vietnam. Intensiver als mancher gelernte Historiker geht er vielmehr auf die vietnamesische Strategie ein, den Befreiungskampf zum Erfolg zu führen. Er greift dabei auf zahlreiche Erklärungen und Appelle von Ho Chi Minh und Instruktionen von General Vo Nguyen Giap zurück – und spiegelt diese an den Strategien der USA. Außerdem beleuchtet er die politischen Kräfteverhältnisse und Machtspiele zwischen den USA, der UdSSR und China.

Kapfenberger schreibt mit „Unser Volk wird gewiss siegen“ kein antiamerikanisches Buch, sondern stellt die Geschichte der 30 Jahre Überlebenskampf schlicht aus der Sicht Vietnams dar. Der Titel des neuen Buchs von Helmut Kapfenberger lehnt sich übrigens eng an ein Zitat aus dem Testament von Ho Chi Minh an. Es geht weiter mit den Worten „Die amerikanischen Imperialisten müssen sich mit Gewissheit aus dem Staube machen“.

Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen, selbst wenn die/der eine oder andere Leserin/Leser schon manches über Vietnam gelesen hat.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Unser Volk wird gewiss siegen«, UZ vom 17. Juli 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.