Mehrweg statt Einweg

Müllstrudel im Weltmeer – so groß wie Mittel-Europa
Von Bernd Müller
|    Ausgabe vom 10. Juli 2015

Umweltorganisationen haben am 3. Juli den internationalen „Plastic Bag Free Day“, den Internationalen Plastiktütenfreien Tag, begangen. Dabei machten sie auf die Verschwendung von Ressourcen und die entstehenden Müllberge aufmerksam, und sie riefen dazu auf, mehr umweltfreundliche Mehrwegtragetaschen zu nutzen. In Berlin konnten Einweg-Plastiktüten abgegeben und gegen umweltfreundliche Mehrwegtaschen eingetauscht werden.

Angesichts des Aktionstages forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf, endlich eine Abgabe in Höhe von 22 Cent auf Plastiktüten einzuführen. Bisher hat Hendricks in dieser Richtung nichts getan – mit Rücksicht auf die Einzelhandelskonzerne. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kritisierte in einer Pressemitteilung: „Obwohl die Europäische Kommission durch eine Plastiktütenrichtlinie die Mitgliedsstaaten zur Einführung von Abgaben oder Verboten ermuntert, tut die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks nichts. Sie setzt weiterhin auf die Eigeninitiative des Handels, die bis heute so gut wie gar nicht existiert.“

Tatsächlich habe es der deutsche Einzelhandel in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, den Verbrauch von Plastiktüten spürbar zu senken. Der Verbrauch in Deutschland sei stattdessen innerhalb weniger Jahre von jährlich 5,3 Milliarden Stück auf heute bereits 6,1 Milliarden gestiegen. „Sie werden durchschnittlich bereits nach 25 Minuten zu Abfall und landen häufig in der Verbrennung oder der Landschaft“, erklärt Thomas Fischer, DUH-Experte für Kreislaufwirtschaft.

„Die Einweg-Plastiktüte verursacht nicht nur Berge von unnötigem Kunststoffmüll, sie ist auch Symbol für unsere umweltschädliche Wegwerf- und Konsumkultur“, sagte der BUND-Abfallexperte Tobias Quast laut Umweltmagazin klimaretter.info. Der BUND fordert deshalb eine „spürbare“ Abgabe auf Einweg-Tüten und ein Pfandsystem für Transportbehälter. „Die Verbannung der Einweg-Plastiktüte aus dem Einzelhandel und die konsequente Durchsetzung des Mehrwegprinzips wären ein starkes Vorbild und ein erster wichtiger Schritt für eine abfallarme und ressourcenschonende Wirtschafts- und Lebensweise“, sagte Quast weiter.

Mit einer Abgabe könnte das Problem beseitigt werden, ist sich auch Jürgen Resch sicher. Er verweist auf Irland, Wales, Nord-Irland und Schottland. Dort sei eine Abgabe auf Plastiktüten erfolgreich eingeführt worden. In Irland habe sich deshalb der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch deutlich senken lassen von 328 auf 16 Stück.

Ende April erst hatte das EU-Parlament einer neuen Richtlinie zugestimmt, die den Plastikverbrauch drosseln soll. Bis 2019 soll so erreicht werden, dass die EU-Bürger nicht mehr durchschnittlich 198 Einweg-Plastiktüten im Jahr nutzen, sondern nur noch 90. Im Jahr 2025 soll dann die Marke von 40 Stück erreicht werden. Um das zu schaffen, müssen die Mitgliedsstaaten entweder bis 2018 eine Gebühr erheben oder andere, ebenso wirksame Mittel finden.

Die dänische EU-Abgeordnete Margrete Auken (Grüne) sagte schon im April gegenüber Spiegel Online, warum die Europäische Union großen Handlungsbedarf auf diesem Gebiet sieht: Milliarden Plastiktüten landeten demnach jedes Jahr als unbehandelter Müll in der Natur.

Und für die Natur sind sie ein schweres Erbe: Experten gehen davon aus, dass sie dort bis zu 450 Jahre überdauern können. Im Meer bilden sie bereits riesige Teppiche. So hatte der amerikanische Segler und Meeresforscher Charles J. Moore bereits Ende der neunziger Jahre eine riesige Ansammlung von Plastikteilen im Nordpazifik gefunden – so groß wie Mitteleuropa. Später fanden Wissenschaftler weitere Müllstrudel im Atlantik, im Südpazifik und im Indischen Ozean. Schätzungen zufolge treiben in der Nordsee mittlerweile 700 000 Kubikmeter Plastikmüll.


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Leserbrief zu »Mehrweg statt Einweg«, UZ vom 10. Juli 2015





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